Kleiner Ausbruch, große Wirkung: Kleinere vulkanische Eruptionen könnten mehr zur Abkühlung des Klimas beitragen als bisher gedacht. Möglicherweise sind sie sogar schuld an der rätselhaften Klimawandel-Pause ab 2001. Das jedenfalls postuliert ein internationales Forscherteam anhand neuer Messdaten. Demnach reflektieren die vulkanischen Schwefelgase solcher Ausbrüche doppelt soviel Sonnenlicht wie angenommen.
Katastrophale Vulkanausbrüche können weltweite Auswirkungen auf das Klima haben: Nach dem Ausbruch des Pinatubo im Jahr 1991 sank die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend um fast 0,5 Grad Celsius ab. Ursache ist bis in die Stratosphäre gelangendes Schwefeldioxid und die daraus entstehende Schwefelsäure. In feinsten Tröpfchen reflektiert sie einfallendes Sonnenlicht zurück und kühlt so die Erde ab. Bislang nahmen Wissenschaftler allerdings an, dass dieser Effekt nur nach den größten Vulkanausbrüchen bedeutende Ausmaße annimmt.
Doppelt so starke Reflektion wie angenommen
Daher galten solche Vulkanausbrüche auch bisher nicht als Grund für die Pause, die die Erderwärmung in den letzten gut zehn Jahren eingelegt zu haben schien. Eine neue Studie von Wissenschaftlern um David Ridley vom Massachusetts Institute of Technology kommt zu jedoch einem anderen Ergebnis. Mit Hilfe von Lasermessungen, Wetterballons und Photosensoren bestimmten sie die Konzentration von Teilchen in der Stratosphäre und wie viel Sonnenlicht sie reflektieren. Damit erhielten sie detailliertere Daten, als mit den bisherigen Satellitenmessungen möglich waren.
Ridley und seine Kollegen stellten fest, dass im Zeitraum von 2000 bis 2013 rund doppelt so viel Sonnenlicht durch Schwefeltröpfchen reflektiert wurde wie bisher angenommen – allein aus kleineren Vulkanausbrüchen des letzten Jahrzehnts, ganz ohne gewaltige Katastrophen wie der Explosion des Pinatubo. Insgesamt könnte dieser Vulkaneffekt für eine Abnahme der Temperatur von 0,05 bis 0,12 Grad Celsius verantwortlich sein.