Es blitzt und donnert – typische Begleiterscheinungen eines Gewitters. Doch neben den weithin leuchtenden normalen Blitzen gibt es auch sogenannte dunkle Blitze – sie sind unsichtbar, aber extrem energiereich. Jetzt haben Forscher erste Hinweise darauf entdeckt, wann und wie oft diese rätselhaften Gammablitze entstehen. Ihren Daten nach könnten die dunklen Blitze sogar weitaus häufiger sein als bisher gedacht, wie sie im Fachmagazin „Geophysical Research Letters“ berichten.
Dunkle Blitze bestehen aus einem Puls von energiereicher, aber unsichtbarer Gammastrahlung. Sie entstehen, wenn stark beschleunigt Elektronen mit Luftteilchen kollidieren. Obwohl diese terrestrischen Gammablitze die stärkste, energiereichste Strahlung darstellen, die natürlicherweise auf der Erde vorkommt, wurden sie erst im Jahr 1991 entdeckt. Inzwischen ist bekannt, dass auch die dunklen Blitze vorwiegend während eines Gewitters erzeugt werden. Unklar ist aber bisher, ob diese Gammablitze immer von einem sichtbaren, normalen Blitz begleitet werden und unter welchen Bedingungen sie genau entstehen.
Doppelter Blitz über Venezuela
Im Jahr 2006 registrierten zwei Satelliten – einer mit optischen, der andere mit Gammastrahlensensoren – unabhängig voneinander die Blitze während eines staken Gewitters in Venezuela. Der erste fing dabei einen im sichtbaren Licht besonders starken Blitz ein. Erst vor kurzem fanden Nikolai Østgaard von der Universität von Bergen in Norwegen und seine Kollegen aber heraus, dass zur gleichen Zeit der zweite Satellit auch einen schwachen Gammablitz eingefangen hatte. Genauere Analysen der Daten zeigten, dass die Gammablitze zusammen mit einem Puls von Radiowellen meist unmittelbar vor einem normalen Blitz erzeugt wurden.
„Diese Beobachtung war ein echter Glücksfall“, erklärt Østgaard. „Denn die beiden Satelliten flogen gerade in geringem Abstand über das Gewitter hinweg, als dieser Gammablitz stattfand.“ Die begleitenden Radiowellen waren so stark, dass sie noch von einem Empfänger registriert wurden, der 3.000 Kilometer weit entfernt an der Duke University in North Carolina stand. Mit Hilfe dieser verschiedenen Daten gelang es den Forschern, den genauen Ablauf des nur 300 Millisekunden andauernden Ereignisses zu rekonstruieren – und so wertvolle Informationen über deren mögliche Ursache zu gewinnen.