Edelsteine aus dem Säurebad: Tief unter der Erde liegen wahrscheinlich mehr Diamanten verborgen als bisher gedacht. Denn Forscher haben nun eine dritte, zuvor unbekannte Bildungsart dieser Kohlenstoff-Kristalle entdeckt. Demnach reicht es für ihre Bildung aus, wenn mineralienreiches Porenwasser im Gestein plötzlich saurer wird. Kommen dann Hitze und Druck dazu, entstehen Minidiamanten, so die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Communications“.
Ein Diamant ist letztlich nichts anderes als Kohlenstoff, der unter großer Hitze und hohem Druck im Erdmantel komprimiert und in seine typische Kristallstruktur gebracht wurde. Vulkanische Aktivität beförderte das diamanthaltige Gestein an die Erdoberfläche. Doch damit die Diamantbildung beginnt, müssen im Erdmantel ganz spezielle Bedingungen herrschen – so dachte man bisher: Im Porenwasser des Gesteins müssen Kohlendioxid oder Methan gelöst sein, die in chemischen Redox-Reaktionen den Kohlenstoff für den Edelstein liefern.
Sauer macht Diamanten
Doch es geht offenbar sehr viele simpler, wie nun Dimitri Sverjensky und Fang Huang von der Johns Hopkins University in Baltimore mit einem chemisch-physikalischen Modell nachweisen. „Die Bildung von Diamanten tief im Erdinneren könnte daher ein sehr viel gewöhnlicherer und häufigerer Prozess sein als wir bisher dachten“, so Sverjensky.
Wie die Forscher herausfanden, reicht es für die Diamantbildung schon aus, wenn das mit gelösten Mineralen versetzte Porenwasser im Mantelgestein plötzlich deutlich saurer wird, der pH-Wert demnach abfällt. Durch die Interaktion von Wasser und umgebenden Gestein führt dies dazu, dass kohlenstoffhaltige Mineralien ausgefällt werden und bei entsprechendem Druck und hoher Temperatur Minidiamanten entstehen.