
Prozentualer Anteil der Messstationen mit Überschreitung des Grenzwertes für das NO2-Jahresmittel © Umweltbundesamt
Besonders hohe Stickstoffdioxid-Werte gab es dem Bericht nach in Stuttgart, aber auch in Berlin, Hamburg, Darmstadt, Frankfurt, Köln, Mainz und Kiel. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO genügen lassen schon langfristig um zehn Mikrogramm erhöhte NO2 Werte die Zahl vorzeitiger Todesfälle um bis zu acht Prozent steigen.
Auch das UBA fordert Fahrverbote
Die Ursache für die zu hohe Stickoxidbelastung scheint klar: „Schuld sind in den Städten vor allem alte Diesel-Autos“, sagt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Spätestens seit dem VW-Abgasskandal ist jedoch bekannt, dass ein Großteil der Autohersteller auch heute noch Dieselfahrzeuge verkauft, die auf der Straße mehr giftiges Stickoxid ausstoßen als erlaubt. Viele überschreiten die Grenzwerte um ein Vielfaches.
Schon länger fordern Umweltorganisationen Fahrverbote, wenn Grenzwerte in den Stadtzentren nicht eingehalten werden. Ähnlich sieht es auch die UBA-Präsidentin: „Es kann aus Sicht des Gesundheitsschutzes nicht akzeptiert werden, dass die Kommunen keine Handhabe haben, um beispielsweise Dieselautos mit hohem Ausstoß aus den belasteten Innenstädten auszuschließen“, so Krautzberger.

Diesel-Autos stoßen das meiste NO2 aus © Umweltbundesamt
Ein Mittel dazu wären Umweltzonen auf Basis einer blauen Plakette. Diese würden nur Autos erhalten, die wenig Stickoxid ausstoßen, möglicherweise könnten sogar kurzfristig alle Dieselautos ausgeschlossen werden. In anderen europäischen Ländern gibt es solche Maßnahmen bereits: In der Oslo und der schweizerischen Stadt Tessin erließen die Behörden wegen hohen NO2-Werten kurzfristig Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge und gaben währenddessen Busse und Bahnen zur kostenlosen Nutzung frei.
Bessere Werte bei Feinstaub und Ozon
Der UBA-Bericht hat auch die Luftbelastung durch Feinstaub und bodennahes Ozon erfasst. Hier gibt es zumindest teilweise gute Nachrichten: Die Werte beider Luftschadstoffe lagen im letzten Jahr deutlich niedriger als noch zuvor. Dennoch wurden bei fast einem Viertel aller Messstellen der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Jahresmittelwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten. Beim Ozon überschritten 21 Prozent aller Messstationen den Tagesmittelwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter
Grund zur Entwarnung ist dies allerdings nicht. Denn ein Großteil dieser Reduktionen ist nicht auf Luftschutz-Maßnahmen zurückzuführen, sondern auf ein günstiges Klima, wie UBA-Forscher betonen. So war der Sommer 2016 eher wechselhaft und es traten keine lang anhaltenden Schönwetterperioden auf, die die Ozonbildung hätten begünstigen können.
Es muss noch Einiges getan werden
„Nur wenn wir unsere Stickoxidemissionen in den Griff bekommen, können wir erhöhte Ozonbelastungen auch bei fortschreitendem Klimawandel vermeiden“, so Krautzberger. Denn Stickoxide gehören zu den Vorläuferstoffen des bodennahen Ozons. Bei starker Sonneneinstrahlung lösen sie chemische Reaktionen aus, in deren Verlauf das Ozon entsteht.
Auch beim Feinstaub sieht die UBA-Präsidentin Handlungsbedarf: „Bund, Länder und Kommunen müssen und können gemeinsam weitere Anstrengungen unternehmen, um das Gesundheitsrisiko durch Feinstaub zu verringern“, betont Krautzberger. Dazu sei es dringend erforderlich, die direkte Freisetzung von Feinstaub aus privaten Holzfeuerungen zu reduzieren, aber auch die Freisetzung von gasförmigen Schadstoffen wie Ammoniak aus der Landwirtschaft, aus denen sich später Feinstaubpartikel bilden.
(Umweltbundesamt, 01.02.2017 – NPO)
1. Februar 2017