Das Leben entstand wahrscheinlich nicht im Ozean oder an heißen Quellen der Tiefsee, sondern auf dem Land: in kleinen Tümpeln rund um Geysire und heiße Schlote. Indizien dafür hat ein internationales Forscherteam gefunden. Die aus kondensiertem Dampf gebildete Brühe solcher Tümpel enthielt vor Milliarden Jahren den gleichen Chemikaliencocktail, den noch heute alle lebenden Zellen in ihrem Inneren tragen. In der Frühzeit der Erde seien diese geothermalen Tümpel daher die optimale Umgebung für die Bildung der ersten Zellen gewesen, berichten die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
Seit langem rätseln Forscher darüber, wo einst das erste Leben entstand. Als Favoriten galten bisher vor allem die heißen Quellen der Tiefsee, die sogenannten Schwarzen Raucher. Denn ihr nährstoff- und mineralienreiches Wasser könnte die Anreicherung großer Biomoleküle gefördert haben – den Bausteinen der ersten Zellen.
Doch dieses Szenario hat nach Ansicht von Armen Mulkidjanian von der Universität Osnabrück und seinen Kollegen ein großes Manko: Das salzige Meerwasser dieser Tiefseequellen weicht zu stark von der Chemikalienmischung im Inneren lebender Zellen ab. Für die ersten Zellen wäre das ein Problem gewesen, meinen die Forscher. Denn sie konnten die Zusammensetzung ihrer Zellflüssigkeit noch nicht aktiv regulieren.
Wiege des Lebens benötigte zellfreundliche Chemie
Die ersten zellulären Organismen konnten sich nur dort entwickeln, wo auch außerhalb ihrer Hülle ein passendes chemisches Umfeld herrschte. „In der sauerstoffarmen Uratmosphäre der frühen Erde kam die Brühe in den geothermalen Tümpeln dem internen Milieu der Zellen am nächsten“, schreiben Mulkidjanian und seine Kollegen.