In Thüringen bebte die Erde – nicht wegen einer natürlichen Ursache, sondern weil Forscher gezielt den Untergrund zum Schwingen brachten. Ziel des Projekts, bei dem ein 20-Tonnen Truck seismische Erschütterungen produzierte und Seismometer und Geophone die reflektierten Wellen aufzeichneten war es, mehr über die sogenannte „Erfurter Störungszone“ und andere Verwerfungen im Thüringer Becken zu erfahren.
Neuseeland, Japan, Chile – zahlreiche schwere Beben haben in jüngster Zeit die Erde erschüttert. Doch auch im Freistaat Thüringen bebte in den vergangenen Wochen die Erde: Verantwortlich für diese – vergleichsweise sanften – Erschütterungen waren jedoch nicht Verschiebungen von Kontinentalplatten. Die künstlich erzeugten Schwingungen sind Teil eines seismischen Experiments von Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller- Universität Jena. Entlang einer Strecke von insgesamt 76 Kilometern haben die Geowissenschaftler den Untergrund des Thüringer Beckens in Schwingungen versetzt und die reflektierten Wellen gemessen.
Aufschluss über tektonische Störungen im Thüringer Becken
„Mit Hilfe der Reflexionsseismik können wir die verschiedenen geologischen Verhältnisse des Untergrundes bis in rund 2.000 Meter Tiefe abbilden“, erläutert Nina Kukowski von der Uni Jena das Ziel der aufwendigen Messungen. Die Professorin für Allgemeine Geophysik und ihr Team wollen im Rahmen des interdisziplinären Verbundprojekts INFLUINS neue Erkenntnisse über die Fluid- und Stoffflüsse im Thüringer Sedimentbecken gewinnen. Sedimentbecken verfügen über ein großes Potenzial als regenerative Energielieferanten und Speicherstätte für Fluide oder Wärme.
„Insbesondere die Region um Erfurt interessiert uns dabei“, so Kukowski. Zum einen verläuft unter der Thüringer Landeshauptstadt die sogenannte „Erfurter Störungszone“ – eine Verwerfung des Untergrunds. „Zum anderen dienen diese Messungen zur Vorbereitung der für 2012 geplanten Forschungsbohrung im Thüringer Becken“, erklärt ihr Kollege Andreas Goepel. Die Messungen sind in Kooperation mit dem Thüringischen Landesamt für Umwelt und Geologie (TLUG) durch die Firma Geophysik GGD mbH aus Leipzig durchgeführt worden.