Schroffe Gipfel, tiefe Seen und ebenes Terrain: Eine Forschungsexpedition hat erstmals den Untergrund unter dem antarktischen Thwaites-Gletscher kartiert – dem breitesten Gletscher der Erde. Die Kartierung enthüllt, dass sich unter dem 800 bis 1.200 Meter dicken Eis eine abwechslungsreiche Landschaft mit sowohl bremsenden wie glatten Abschnitten verbirgt. Auch 100 Meer tiefe Seen finden sich unter dem riesigen Eisstrom. Die Kenntnis dieser subglazialen Landschaft hilft nun dabei, die Zukunft des Thwaites-Gletschers genauer abzuschätzen.
Der Thwaites-Gletscher in der Westantarktis ist einer der größten Eisströme dieser Region und der breiteste Gletscher der Erde: Seine in die Amundsensee mündende Front ist 120 Kilometer breit. Entsprechend groß ist der Einfluss des gigantischen Eisstroms: Schon jetzt ist der Eisverlust nur dieses einen Gletschers für rund vier Prozent des globalen Meeresspiegelanstiegs verantwortlich. Die Zunge des Thwaites-Gletschers ist zudem von warmem Tiefenwasser unterhöhlt und von Rissen durchzogen.
Würde der Thwaites-Getscher komplett abtauen, würden die Pegel weltweit um 65 Zentimeter ansteigen. Entsprechend wichtig ist es, die weitere Entwicklung dieses Eisriesen möglichst genau einschätzen zu können.

Mit Rüttelplatten und Radar
Deshalb hat ein Forschungsteam der „International Thwaites Glacier Collaboration“ (ITGC) den Thwaites-Gletscher in den letzten beiden Jahren intensiv vor Ort untersucht. Im Fokus stand dabei vor allem die Kartierung des Gletscherbetts – der Landschaft, die unter dem Eisstrom liegt. Ihre Form und Eigenschaften des Untergrunds des antarktischen Thwaites-Gletschers beeinflussen, wie schnell sich der Gletscher zurückziehen und zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen wird.