Forscher haben erstmals das Sauerstoffisotopen-Verhältnis in der irdischen Mesosphäre und Thermosphäre gemessen – den äußeren Gashüllen der Erde. Demnach enthält die Hochatmosphäre mehr des schweren Sauerstoffisotops 18O als zuvor vermutet. Dies deutet darauf hin, dass die oberen, dünnen Schichten der Erdatmosphäre weniger vom Sonnenwind beeinflusst sind als erwartet. Stattdessen ähnelt die Isotopenzusammensetzung von Meso- und Thermosphäre mehr der der unteren Atmosphäre.
Sauerstoff kommt auf unserm Planeten in den beiden Isotopen 16O und 18O vor. In welchem Verhältnis beide stehen, wird zum einen von den mit dem Sonnenwind auf die Erde treffenden Sauerstoffionen bestimmt: Solarer Sauerstoff hat ein 16O/18O-Verhältnis von etwa 529. In der unteren Erdatmosphäre ist dagegen der Anteil des schwereren Sauerstoffisotops höher, weil Organismen bei der Veratmung selektiv mehr 18O abgeben. Als Folge dieser Biosignatur liegt das terrestrische Verhältnis bei nur 498,7.
Rätsel um die Hochatmosphäre
Doch wie sieht es in den oberen Schichten der Erdatmosphäre aus? Bekannt war bereits, dass die Stratosphäre noch deutlich von der Sauerstoff-Biosignatur der unteren Luftschichten geprägt ist. Die aufsteigende Luft transportiert leichteren Sauerstoff bis in die Ozonschicht und darüber hinaus. Darüber, in der Mesosphäre und Thermosphäre, dürfte aber nur noch begrenzt Luft aus unteren Schichten ankommen. Deshalb gingen Wissenschaftler bisher davon aus, dass diese ab etwa 50 Kilometer beginnenden Schichten stärker vom Sonnenwind und damit von leichteren Sauerstoffisotopen geprägt sein müssten.
Das Problem jedoch: Direkte Isotopenmessungen in der Meso- und Thermosphäre sind kaum möglich, denn diese Schichten liegen zu hoch für Messballons, aber zu tief für Satelliten. Eine mögliche Lösung dafür haben nun Helmut Wiesemeyer vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und seine Kollegen gefunden: Sie nutzen den Mond als Messhelfer.