Schon vor 5.500 Jahren – viel früher als bisher angenommen – hat der Mensch das Pferd domestiziert. Wie eine Ausgrabung in Kasachstan ergab, wurden diese Tiere sowohl als Reittier als auch als Milchlieferant genutzt. Diese jetzt in „Science“ veröffentlichten Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die menschliche Lebensweise in der frühen Bronzezeit.
Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Carnegie Museums of Natural History und der Universitäten Exeter und Bristol in England führte Ausgrabungen im Norden Kasachstans durch. In dieser Steppenregion überlappten die Besiedlungsgebiete zweier früher Nomadenvölker, der Botai im Norden und der Tersek im Westen. Die Grabungen förderten nicht nur Töpferwaren, Reste von Lagerstätten und Beutetieren zutage, sondern auch zahlreiche Pferdeknochen.
Hinweise auf gezielte Domestikation und Züchtung
Die Auswertung der Knochenfunde enthüllte, dass in dieser Region bereits vor 5.500 Jahren Pferde domestiziert und gezielt gezüchtet worden sind. Das ist rund tausend Jahre früher als bisher angenommen und rund 2.000 Jahre früher als bisher bekannte Domestikationsspuren in Europa. Die an den Lagerplätzen der beiden Völker gefundenen Pferdeknochen unterschieden sich sowohl von denen wildlebender Pferde in dieser Region als auch – zum Erstaunen der Forscher – untereinander.
„Es ist überraschend, dass die Mittelfußknochen der Tersek und Botai-Pferde sich deutlich unterscheiden“, erklärt Sandra Olsen, Anthropologiekuratorin am Carnegie Museum of Natural History. Die Knochen weisen auf deutliche, und vermutlich gezielt gezüchtete Größenunterschiede der Tiere hin. „Beide galten bisher bei vielen Archäologen als der gleichen Kultur zugehörend – sie sind ja nur durch zwei Tagesritte voneinander getrennt und sehr ähnlich in Bezug auf ihre Materialverarbeitung. Zu entdecken, dass es Unterschiede in der Größe ihrer Pferde gab war etwas, was ich nicht erwartet habe.“