Archäologen haben in Guatemala einen außergewöhnlichen Fund gemacht: Im Inneren einer Maya-Pyramide stießen sie auf ein rund acht Meter langes, intaktes Relief mit noch gut erhaltener bunter Bemalung. Dargestellt sind drei Männer mit prachtvollem Kopfschmuck und Jadejuwelen, die über dem Kopf eines Berggeistes sitzen. Das sei der spektakulärste Fund, den er jemals gesehen habe, erklärte der Leiter des Archäologenteams Francisco Estrada-Belli.
Die Entdeckung machten die Archäologen im Juli 2013 in der Mayastadt Holmul im Nordosten Guatemalas. Als sie dort Ausgrabungen in einem von Plünderern hinterlassenen Tunnel durchführten, stießen sie auf ein großes, treppenartiges Steingrab, dessen Außenseite ein rund acht Meter langes und zwei Meter hohes, bemaltes Steinrelief schmückte. Relief und Gebäude sind rund 1.500 Jahre alt. „Das ist ein einzigartiger Fund“, erklärt Estrada-Belli. „Es ist ein wunderschönes Kunstwerk und verrät uns so viel über die Funktion und Bedeutung des Gebäudes.“
„Sturmgott“ und zwei Begleiter
Das Relief zeigt drei menschliche Figuren mit Vogelkopfputz und Jadeschmuck, die jeweils im Schneidersitz über dem Kopf eines Berggeistes sitzen. Bemalt ist das Steinrelief in Rot, mit Details in Blau, Grün und Gelb. Kartuschen über den Köpfen der Figuren identifizieren jede über ihren Namen – allerdings ist nur der der mittleren Figur noch entzifferbar. Er lautet: Och Chan Yopaat, was so viel bedeutet wie: Der Sturmgott geht in den Himmel ein. Zwei gefiederte Schlangen steigen rechts und links von dieser Figur auf, umrahmen sie wie eine Art Bogen, wie die Forscher berichten. Am Fuß des Reliefs erstreckt sich eine Inschrift aus 30 Zeichen.
Die noch lesbaren Teile der Inschrift beschreiben Handlungen des Maya-Königs Ajwosaj, der Ordnung in das Königreich gebracht habe und auch den im Relief dargestellten Och Chan Yopaat zur rechten Ordnung zurückgebracht habe. Möglicherweise sei das Relief um 590 nach Christus zu Ehren eines neuen Herrschers in Holmul erstellt worden, mutmaßen die Archäologen.