Staub von brachliegenden Ackerflächen beeinflusst die Wolken- und Niederschlagsbildung mehr als gedacht. Vor allem die Bildung von Eiswolken wird durch die feinen Schwebstoffe gefördert. Das zeigen erste Untersuchungen Karlsruher Forscher in einer speziellen Wolkenkammer. Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, welche Rolle dabei biologische Rückstände im Ackerstaub spielen und aktuelle Klimamodelle verbessern helfen.
Wie sich unterschiedliche Partikel auf Eiswolkenbildung, Niederschlag und Klima auswirken, ist Gegenstand der Forschungsgruppe um Corinna Hoose am Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). „Aerosole dienen als Kondensationskerne, an die sich Wassertröpfchen anlagern – so beginnt die Wolkenbildung“, erklärt Hoose. Besondere Relevanz haben Eiswolken, Wolken, in denen die Schwebstoffe Eiskeime bilden. Denn das kann sich beispielsweise auf das Rückstrahlvermögen der Wolke und damit auf die Erderwärmung auswirken.
„Während Flüssigwasserwolken, also solche aus Tropfen, als ‚Schutzschild‘ vor der Sonneneinstrahlung kühlend wirken, könnten Eiswolken den umgekehrten Effekt haben“, erläutert Doktorandin Isabelle Steinke. Zudem, so vermuten die Wissenschaftler, wird die Mehrheit des Niederschlags durch Eiswolken ausgelöst. „Kommt es zur Eisbildung, wachsen die Kristalle schnell, werden schwer und fallen herunter – je nach Temperatur in Bodennähe als Regen oder Schnee“, so Hoose.
Ackerstaub hat stärkeren Einfluss als Wüstenstaub
Derzeit sind etwa zehn Prozent der Erdoberfläche mit Ackerböden bedeckt. Wegen der hohen Weltmarktpreise für Mais und Soja werden zum Beispiel in Südamerika auch weitere Weideflächen in Ackerböden umgewandelt. „Lange wurde die Bedeutung von Ackerbodenstaub eher unterschätzt, die Untersuchung von Rußpartikeln und Wüstenstaub stand im Vordergrund“, sagt Corinna Hoose. „Jetzt haben wir jedoch Hinweise, dass auch die Aerosole, die von Feldern stammen, durchaus Wirkung haben könnten.“