Rätsel ums Edelgas: Seit Jahren rätseln Forscher, warum die Erdatmosphäre viel weniger Xenon enthält als erwartet. Jetzt könnten sie eine Antwort gefunden haben: Das fehlende Edelgas versteckt sich möglicherweise im Erdinneren. Denn wie Experimente nun belegen, bildet das bindungsscheue Xenon bei extremer Hitze und hohem Druck mit dem Eisen und Nickel des Erdkerns Moleküle. Das normalerweise flüchtige Gas könnte dadurch seit der Frühzeit der Erde im Kern gebunden sein – und fehlt so an der Oberfläche.
Was Xenon angeht, ist die Erde ein echter Sonderling. Denn im Vergleich zur Sonne, dem Mondstaub und vielen Meteoriten enthält ihre Atmosphäre viel zu wenig von diesem Edelgas. Xenon kommt nur in Spuren in unserer Gashülle vor und ist eines der seltensten stabilen Elemente überhaupt. Gleichzeitig herrscht an anderen Edelgasen wie Argon und Krypton kein Mangel. Schon seit Jahrzehnten suchen Forscher nach Erklärungen für diese rätselhafte „Xenon-Lücke“.
Jetzt könnten Elissaios Stavrou vom Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) und seine Kollegen das Rätsel gelöst haben. Ihr Verdacht: Möglicherweise steckt das fehlende Xenon tief im Inneren der Erde. Normalerweise wäre dies unwahrscheinlich, weil Xenon leicht flüchtig ist und relativ schnell wieder aus dem Gestein entweichen müsste. Doch Laborversuche zeigen, dass das normalerweise bindungsscheue Xenon unter extremen Bedingungen sehr wohl zu chemischen Bindungen gezwungen werden kann.
Gebunden im Erdkern?
Das kann in Anwesenheit spezieller Partner, aber auch bei starker Bestrahlung oder hohem Druck der Fall sein. „Wenn das Xenon extremem Druck ausgesetzt wird, ändern sich seine chemischen Eigenschaften und das ermöglicht es dem Edelgas, Verbindungen mit anderen Elementen zu bilden“, erklärt Koautor Sergey Lobanov von der Carnegie Institution of Washington. Könnte genau dies im Inneren der frühen Erde geschehen sein?