Akute Gefahr: Rund um das Tote Meer klaffen immer mehr tiefe Löcher im Boden auf. Weil der See schrumpft, bilden sich verborgene Hohlräume im Untergrund, die plötzlich einstürzen. Rund 4.000 solcher Löcher gibt es inzwischen – und es werden täglich mehr, warnen Geologen und Umweltschützer. Eine Pipeline vom Roten Meer zum Toten Meer soll nun endlich den schrumpfenden Salzsee vor dem endgültigen Aus retten.
Das Tote Meer ist eines der salzigsten Gewässer der Erde: Sein Salzgehalt liegt zehnmal so hoch wie im Mittelmeer, denn das aride Klima und die extreme Sonneneinstrahlung lassen das Wasser schnell verdunsten – und Nachschub fließt nur spärlich. Denn das Wasser des Jordans, seines Hauptzuflusses, wird immer stärker von den Flussanrainern verbraucht. Dadurch sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres heute um rund einen Meter pro Jahr – der Salzsee trocknet aus.
Und das hat fatale Folgen: Rund um das Tote Meer klaffen immer mehr tiefe Löcher im Boden auf – fast täglich kommt eine neue Doline hinzu. Diese klaffenden Spalten und Trichter sind bis zu 25 Meter tief und können 49 Meter Durchmesser erreichen. Die ersten vereinzelten Löcher dieser Art entstanden in den 1980er Jahren, doch inzwischen haben sie sich rasant vermehrt. Mehr als 4.000 solcher Dolinen gibt es bereits, die meisten von ihnen am Westufer des Toten Meeres.
Durchlöcherter Untergrund
„Das ist die Rache der Natur“, sagte Gidon Bromberg, Leiter der Naturschutzorganisation EcoPeace Middle East kürzlich in den ABC News. Denn Schuld ist die mangelnde Wasserzufuhr zum Toten Meer. Im Untergrund um den Salzsee herum haben sich im Laufe der Zeit Salzablagerungen gebildet, die bisher von Sole umspült wurden.