In der Jungsteinzeit waren Amphibolite ein wichtiger Gesteinstyp zur Herstellung von Steinbeilen. Die Archäologie ging bisher immer davon aus, dass das Gestein jeweils regional aus den nächstliegenden Vorkommen stammte. Systematische mineralogische Untersuchungen von Steinbeilen aus verschiedenen Grabungen in ganz Deutschland haben jedoch nun gezeigt, dass überall immer wieder ein seltener Amphibolittyp aus dem Riesengebirge als Rohmaterial verwendet wurde. Dies belegt, dass schon vor fast 7.000 Jahren ein ausgedehntes Handelsnetz in Europa existiert haben muss.
Steinbeile waren im so genannten Neolithikum zwischen 5.000 und 2.000 Jahren vor Christus die wichtigsten Werkzeuge: Mit ihnen wurden Bäume gefällt, Kriege geführt oder Löcher gegraben. Als Material für die Beile diente zumeist ein strapazierfähiges Gestein wie Granite, Basalt, Amphibolit oder Chlorit-Schiefer. Kennzeichnend für die Jungsteinzeit war das gekonnte Schleifen der Rohmaterialien und somit nicht mehr nur das einfache Behauen der Werkzeuge wie in der Altsteinzeit.
Mineralogischer Fingerabdruck
Durch umfangreiche geochemische Analysen fanden nun Wissenschaftler vom Institut für Mineralogie und Kristallstrukturlehre der Universität Würzburg sowie des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen heraus, dass auffallend häufig derselbe Amphibolittyp, der sowohl Aktinolith als auch Hornblende enthält, für die Herstellung der Steinbeile Verwendung fand. Dieses Mischgestein besitzt einen ganz spezifischen mineralogischen „Fingerabdruck“, der die Forscher in sein Herkunftsgebiet Jistebsko ins tschechische Riesengebirge führte. Da die Steinbeile aber im gesamten Gebiet des heutigen Deutschlands gefunden wurden, müssen damals entweder das Gestein, die Rohlinge oder aber die fertigen Beile über größere Entfernungen hinweg transportiert worden sein.
Dieses überraschende Ergebnis zeigt, dass es schon im Neolithikum ein ausgedehntes Handelsnetz in Mitteleuropa gegeben haben muss. Über hunderte Kilometer hinweg kamen die Steinbeile vermutlich von Siedlung zu Siedlung über Fernhandelswege an ihre heutigen Fundorte. Tatsächlich fanden tschechische Wissenschaftler im Riesengebirge alte Steinbrüche inklusive Abbaureste der Amphibolite. Ein weiterer Beweis für den frühmenschlichen „Versandhandel“ von Werkzeugen.