Nach Vulkanausbrüchen bleiben kleinste Aschepartikel länger in der Atmosphäre als bisher gedacht: Sie können sich bei tropischen Eruptionen bis zu fünf Jahre in der Stratosphäre halten und als kühlender Schleier das Klima beeinflussen. Das zeigt eine Studie deutscher Forscher. Das aber bedeutet: Vergangene Ausbrüche, aber auch menschengemachte Aerosol-Emissionen wirken länger nach als angenommen, konstatieren die Forscher im Fachjournal „Atmospheric Chemistry and Physics“.
Vulkane schleudern bei ihren Ausbrüchen oft große Mengen Asche bis hinauf in die Stratosphäre – die Schicht unserer Lufthülle, die in rund 15 Kilometern Höhe beginnt. Durch die Asche wird die Sonneneinstrahlung abgeschwächt, sie wirkt abkühlend auf das Klima. Nach großen Vulkanausbrüchen kann die Temperatur durch diesen Kühl-Effekt um ein halbes bis mehrere Grad Celsius zurückgehen. Zum Vergleich: Der mittlere weltweite Temperaturanstieg betrug in den vergangenen 100 Jahren etwa 0,8 Grad Celsius.
Trübung noch fünf Jahre später
„Die spektakulärsten Ereignisse waren die Explosionen der tropischen Vulkane El Chichon 1982 in Mexiko und Pinatubo 1991 auf den Philippinen“, sagt Erstautor Thomas Trickl vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Garmisch-Partenkirchen. Seit fast 40 Jahren untersuchen er und seine Kollegen dort mit Laser-Radar-Messungen (Lidar) die Auswirkungen von Vulkanausbrüchen.

Auch die Entwicklung des Aschenschleiers nach den Ausbrüchen von El Chichon und Pinatubo haben die Forscher auf diese Weise untersucht. Mit 20 Millionen Tonnen ausgestoßenen Materials gehören diese zu den größten Ausbrüchen des 20. Jahrhunderts. „Danach kam es jeweils fast fünf Jahre lang zu einer deutlichen Trübung der Stratosphäre – das konnte man auch an der auffälligen violetten Färbung des Morgen- und Abendhimmels sehen“, berichtet Trickl. Grund für die lange Verweildauer der Vulkanpartikel, so das Ergebnis der Wissenschaftler, ist die Bildung eines Partikel-Reservoirs in der tropischen Stratosphäre. Weil dort immer wieder warme Luft aufsteigt, können sich in größerer Höhe immer mehr Schwebstoffe ansammeln.