Wimmelndes Leben: Auf jedem Sandkorn des Meeres leben hunderttausende von Bakterien – und damit zehn bis hundertfach so viel wie bisher angenommen. Das enthüllt die Analyse von Körnern aus der südlichen Nordsee. Die Mikroben besiedeln dabei vor allem die Senken und geschützteren Stellen der Körner und haben dort eine erstaunliche Artenvielfalt ausgebildet: Mehr als tausend verschiedene Bakterienarten fanden die Forscher auf nur einem Korn.
Ob am Strand, am Meeresgrund oder in den Sandwüsten und Dünen unseres Planeten: Sand ist ein ganz spezieller Stoff. Im Laufe von Jahrtausenden haben Wind und Wasser ganze Gesteinsformationen abgetragen und erodiert und so die winzigen, weniger als zwei Millimeter kleinen Körnchen erschaffen.
Dass Sand ein dicht besiedelter und aktiver Lebensraum ist, ist schon länger bekannt. Doch wie viele Mikroben auf einem einzelnen Sandkorn leben, enthüllt erst jetzt eine Studie von David Probandt und seinen Kollegen vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Sie haben Sandkörner vom Meeresboden vor Helgoland geborgen und einzeln mittels DNA-Analyse auf ihre Besiedlung mit Bakterien analysiert.
So viele Bewohner wie eine mittelgroße Stadt
Das Ergebnis: Auf nur einem einzelnen Sandkorn leben zwischen 10.000 und 100.000 Mikroorganismen. Das bedeutet, dass ein einzelnes Sandkorn so viele Bewohner haben kann wie eine mittelgroße Stadt. Im Durchschnitt findet sich auf gut elf Quadratmikrometer jeweils eine Zelle. „Das ist ein bis zwei Größenordnungen höher als bisherige Werte“, berichten die Forscher.