Kosmischer Kannibale: Astronomen haben einen ungewöhnlichen Vertreter der „Schwarzen Witwen“ entdeckt – der Pulsare, die ihre Begleitsterne zerstören. Mit einer Orbitalperiode von nur 62 Minuten sind der Pulsar und sein Begleitstern das engste und schnellste Paar dieser Art. Fehlende Röntgenstrahlung, ein dritter Stern in Bunde und der Ursprung dieses Systems in einem quer durch die Galaxie gewanderten Kugelsternhaufen machen es jedoch ebenso rätselhaft wie außergewöhnlich.
Wie die gleichnamigen Spinnen bringen auch kosmische Schwarze Witwen ihren stellaren Partnern den Tod. Diese schnell rotierende Pulsare bilden mit einem massearmen Begleitstern ein Doppelsystem, zerstören ihren stellaren Partner aber im Laufe der Zeit. Ursache dafür ist die intensive, energiereiche Strahlung des Pulsars und sein starker Sternenwind, die den Begleitstern nach und nach erodieren. Bisher sind erst rund zwei Dutzend solcher „Spinnen“-Pulsare bekannt.
Verräterisches Flackern
Doch jetzt haben Astronomen eine „Schwarze Witwe“ entdeckt, die in gleich mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich ist. Dies beginnt schon mit ihrer Entdeckung: Kevin Burdge vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge und sein Team haben das Pulsarsystem nicht über die Röntgen- und Gammastrahlen des Pulsars aufgespürt, sondern über das Flackern seines Begleitsterns. Weil die dem Pulsar zugekehrte Seite heißer ist als die abgewandte, müsste seine Helligkeit je nach Ausrichtung schnell und stark schwanken.
Für ihre Fahndung nach „Spinnen-Pulsaren“ werteten Burdge und sein Team die Beobachtungsdaten der Zwicky Transient Facility in Kalifornien aus, einem Teleskop, das große Himmelsausschnitte nach sich verändernden oder neu auftretenden Phänomenen durchsucht. In den Daten zu rund 20 Millionen Sternen suchten die Astronomen nach Objekten, deren Helligkeit in Abständen von einer Stunde und weniger um den Faktor zehn und mehr schwankte.