Rätselhafte Regelmäßigkeit: Astronomen haben eine Galaxie entdeckt, in der alle 114 Tage ein heftiger Strahlenausbruch stattfindet – pünktlich wie ein Uhrwerk. Die zyklischen Eruptionen kommen aus dem Umfeld des Schwarzen Lochs im Zentrum der 570 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie. Doch was löst sie aus? Die Forscher vermuten, dass dort ein Stern nach und nach zerrissen wird.
Strahlenausbrüche in fernen Galaxien sind nichts Ungewöhnliches – immer wieder detektieren automatische Teleskope die hellen Lichtblitze von Supernovae, Gammastrahlenausbrüchen oder Sternkollisionen. Auch die supermassereichen Schwarzen Löcher im Zentrum von Galaxien können Strahleneruptionen verursachen, wenn sie Materie einsaugen. Selbst das heute eher ruhige Schwarze Loch unserer Milchstraße, Sagittarius A*, hat immer wieder solche Eruptionen durchlebt.

Alle 114 Tage eine Eruption
Doch die Galaxie ESO 253-3 ist anders: Die rund 570 Millionen Lichtjahre entfernte Sternenansammlung durchlebt nicht nur ab und zu mal einen Strahlenausbruch – ihre Eruptionen sind regelmäßig wie ein Uhrwerk. Als das ASAS-SN-Netzwerk robotischer Teleskope am 14. November 2014 den ersten Lichtblitz aus dem Herzen dieser Galaxie einfing, war dies noch reine Routine. Astronomen stuften es als Supernova ein.
Im Jahr 2020 nahm dann jedoch Anna Payne von der University of Hawaii in Manoa die von dieser Galaxie eingefangenen Signale näher unter die Lupe – und entdeckte Überraschendes: Der zuerst detektierte Strahlenausbruch war kein Einzelfall, sondern wiederholt sich alle 114 Tage. Jeder Flare nimmt im Verlauf von rund fünf Tagen allmählich an Helligkeit zu und erlischt dann langsam wieder. Das ermöglichte es den Astronomen, die folgenden drei Ausbrüche dieser Galaxie mit mehreren Teleskopen und in verschiedenen Wellenlängen zu beobachten.