Fremdlinge im Sonnensystem: Die NASA-Raumsonde Cassini hat 36 winzige Staubkörnchen eingefangen, die von außerhalb des Sonnensystems kommen. Dieser seltene Fang enthüllt, dass diese kosmischen Partikel anders zusammengesetzt sind als gedacht. Denn sie sind einander überraschend ähnlich. Das könnte darauf hindeuten, dass der interstellare Staub im All entgegen bisherigen Annahmen fortlaufend recycelt wird, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.
Während die Planeten, Monde und Kometen in unserem Sonnensystem reichlich Staub von sich geben, sind Partikel aus dem interstellaren Raum extrem rar. „Interstellarer Staub ist gewissermaßen eine der letzten Bastionen des Unbekannten im Weltraum“, erklärt Koautor Mario Trieloff von der Universität Heidelberg. Diese Staubkörnchen sind nur rund 200 Nanometer groß und rasen im Unterschied zum Sonnensystem-eigenen Staub mit mehr als 72.000 Kilometern pro Stunde durch unser System. Das ist schnell genug, um nicht von der Schwerkraft der Sonne der der Planeten eingefangen zu werden.
Sieben große Brocken und 36 winzige Körnchen
Erst der Raumsonde Stardust gelang es, zusammen mit unzähligen Partikeln Kometenstaub, auch sieben solcher „Fremdlinge“ einzufangen und zur Erde zurückzubringen. Diese ersten interstellaren Staubpartikel überraschten durch ihre Unterschiedlichkeit. „Diese Teilchen waren allerdings ungewöhnlich groß“, erklärt Trieloff. „Daher sind die Analyseergebnisse möglicherweise nicht repräsentativ.“
Jetzt liefert die Raumsonde Cassini, die im Saturnsystem kreist, eine neue Chance. Denn ihr Cosmic Dust Analyser (CDA) hat inzwischen neben Myriarden von Partikeln von den Saturnringen und -monden auch 36 winzige interstellare Staubpartikel eingefangen und mit Hilfe des bordeigenen Massenspektrometers analysiert. „Im Mittel haben wir damit ein paar dieser Staubkörnchen pro Jahr gefangen“, berichtet Erstautor Nicolas Altobelli von der ESA.