Vom Uralt-Gerät zu neuer Technik
Das erste Problem: Die alten Tonbänder waren auf keinem modernen System abspielbar. Stattdessen stellte die NASA den Forschern ein seit den 1960er Jahren aufbewahrtes Gerät namens Soundscriber dafür zur Verfügung. Doch dieses schrankgroße Gerät konnte nur eine Tonspur auf einmal lesen und der Lesekopf musste noch dazu mechanisch von einer Spur zur anderen bewegt werden, wie die Wissenschaftler feststellten.

John Hansen vor dem schrankgroßen "Soundscriber" - dem Abspielgerät aus den 1960er Jahren. © University of Texas
„Dieses System konnten wir einfach nicht nutzen“, sagt Projektleiter John Hansen. Denn allein für die Apollo 11-Aufnahmen hätte man mit Soundscriber 170 Jahre benötigt. „Wir entwickelten stattdessen unser eigenes System mit einem 30-Spur-Lesekopf und einer Lösung, um dann alle 30 Tonspuren auf einmal digital aufzuzeichnen“, erklärt der Forscher. Das verkürzte die Zeit für das Digitalisieren von Jahren auf Monate.
Sprechergewirr und Raumfahrt-Jargon
Das zweite Problem: Die Aufzeichnungen der NASA-Missionen mussten ausgewertet und transkribiert werden – doch das war alles andere als einfach. Denn oft redeten im NASA-Kontrollzentrum mehrere Menschen durcheinander, die Bemerkungen waren teilweise verkürzt und im Raumfahrt-Jargon und die schnellen Wechsel machten es schwer nachzuvollziehen, wer gerade sprach.
„Stellen Sie sich vor, Siri müsste die Diskussion von bis zu 35 Leuten gleichzeitig transkribieren, die von verschiedenen Standorten sprechen und teilweise mit heftigem texanischen Akzent“, beschreiben die Forscher den Höreindruck. Hinzu kommen Unterbrechungen und Störgeräusche, die
das Verstehen zusätzlich erschweren.
Um überhaupt eine Chance zu haben, mussten sich die Wissenschaftler zunächst über die typischen Abläufe im NASA-Kontrollzentrum schlau machen. „Das ist nicht gerade etwas, was man an der Uni lernt“, sagt Chengzhu Yu, Experte für künstliche Intelligenz und Spracherkennung. Dann entwickelten sie eine lernfähige Software, die den aufgezeichneten Gesprächen folgte und dabei lernte, einzelne Sprecher wiederzuerkennen.

Bastelei aus dem "Backroom": NASA-Mitarbeiter präsentieren ihre Lösung für das Apollo 13-Problem. © NASA
Einblick in den „Backroom“
Inzwischen haben die Forscher bereits einen Teil der Apollo 11-Mitschnitte auf ihrer Website Explore Apollo online gestellt. Das Besondere daran: Zu hören sind nicht nur die Astronauten und Capcoms, sondern auch die Bemerkungen aus dem „Backroom“ – den Plätzen, an denen die Wissenschaftler und Ingenieure saßen.
„Wenn wir an die Apollo-Missionen denken, fallen uns als erstes die Leistungen der Astronauten en, die ja auch unsere Bewunderung verdient haben“, sagt Hansen. „Aber die echten Helden hinter diesen Helden sind die unzähligen Ingenieure, Wissenschaftler und Spezialisten, die erst durch ihre gemeinsame Arbeit das Apollo-Programm zum Erfolg gebracht haben.“ Ihren Beitrag kann man jetzt durch die digitalisierten Tonaufnahmen erstmals mitverfolgen.
Die Website Explore Apollo
(University of Texas at Dallas, 11.12.2017 – NPO)
11. Dezember 2017