Verschwundener Dritter: Die Magellanschen Wolken könnten einst Teil einer Dreiergruppe von Zwerggalaxien gewesen sein. Die dritte Galaxie jedoch kollidierte vor rund drei bis fünf Milliarden Jahren mit der Großen Magellanschen Wolke und wurde zerstört, wie Astronomen berichten. Indizien dafür liefern eine Gruppe verkehrtherum kreisender Sterne in der Großen Magellanschen Wolke und ein rätselhafter Ausbruch der Sternbildung etwa um die Zeit der postulierten Kollision.
Die Milchstraße und ihre Nachbarn haben eine bewegte Vergangenheit hinter sich: Unsere Galaxie kollidierte vor rund zehn Milliarden Jahren mit einer Nachbargalaxie und auch die Andromedagalaxie erlebte eine dramatische Kollision, die eine dritte größere Galaxie in unserer lokalen Gruppe zerstörte. Auch unsere nächsten Nachbarn, die Großen und Kleine Magellanschen Wolke, zeugen von Gas- und Sternendiebstählen und intensiven galaktischen Wechselwirkungen.
Sterne kreisen verkehrtherum
Doch ein Merkmal der Großen Magellanschen Wolke gibt Astronomen schon seit Jahren Rätsel auf: Während die meisten Sterne in dieser rund 160.000 Lichtjahre entfernten Zwerggalaxie im Uhrzeigersinn kreisen, gilt dies nicht für alle: Rund fünf Prozent der Sternenpopulation kreisen in Gegenrichtung – sehr ungewöhnlich für eine Galaxie. „Bisherige Modelle konnten nicht erklären, wie eine solche Population entstanden sein könnte“, sagen Benjamin Armstrong und Kenji Bekki von der University of Western Australia.
Meist deuten solche abweichenden Bewegungsmuster auf eine „fremde“ Herkunft solcher Sterne hin. Deshalb dachte man bisher, dass die Große Magellansche Wolke diese Sterne von ihrer kleineren Nachbarin gestohlen hat. Doch die Kleine Magellansche Wolke hätte dadurch fast die Hälfte ihrer Sterne verlieren müssen – eher unrealistisch, so die Forscher.