Überraschend anders: Der Jupitermond Ganymed besitzt helle Polarlichter, die es so eigentlich nicht geben dürfte. Warum sie dennoch leuchten, haben nun Forscher mithilfe von Daten der früheren Raumsonde Galileo herausgefunden. Demnach speisen sich diese Auroren nicht vom Sonnenwind, sondern von Teilchen aus dem Jupitermagnetfeld und – ungewöhnlicherweise – von der eisigen Oberfläche des Jupitermondes selbst. Ganymed ist damit im Sonnensystem einzigartig.
Der Jupitermond Ganymed ist der größte Mond des Sonnensystems: Mit gut 5.260 Kilometern Durchmesser übertrifft er sogar den Planeten Merkur. Wie für solche großen Himmelskörper üblich, besitzt der Jupitertrabant ein differenziertes Inneres mit einem kleinen Eisenkern und wahrscheinlich sogar einem oder mehreren flüssigen Wasserschichten unter seiner Eiskruste.
Wie entstehen die Polarlichter
Doch der Jupitertrabant besitzt noch ein ungewöhnliches Merkmal: „Ganymed ist der einzige bekannte Mond, der ein eigenes, intern erzeugtes Magnetfeld besitzt“, berichten Glyn Collinson vom Goddard Spaceflight Center der NASA und ihre Kollegen. Bereits 1996 hatte dies die NASA-Raumsonde Galileo bei einem ersten nahen Vorbeiflug am dritten Jupitermond detektiert.
Rätselhaft jedoch: Dieses lunare Magnetfeld allein konnte nicht erklären, warum Ganymed an seinen Polen so überraschend stark ausgeprägte Polarlichter besaß. Solche Aurora-Phänomene entstehen normalerweise, wenn Teilchen des Sonnenwinds mit dem Magnetfeld wechselwirken. Weil Ganymed jedoch vom gewaltigen Magnetfeld des nahen Jupiters gegen den Sonnenwind abgeschirmt wird, dürfte es an seinen Polen kaum Leuchterscheinungen geben.