Größer als „erlaubt“: Astronomen haben einen 3,3 Milliarden Lichtjahre langen Bogen aus Galaxien entdeckt – eine der größten bekannten Strukturen des Kosmos. Der rund 9,2 Milliarden Lichtjahre entfernte Bogen überspannt rund 1/15 des gesamten beobachtbaren Universums. Nach Ansicht der Forschenden wirft dies die Frage auf, ob die Materie im großen Maßstab wirklich so gleichmäßig verteilt ist wie es gängige Kosmologie besagt.
Der gängigen Lehrmeinung nach bildet die Materie im Kosmos zwar großräumige Strukturen wie Galaxienhaufen, kosmische Filamente oder auch Supercluster. Betrachtet man das Universum aber in großen Maßstäben, sozusagen von weiter weg, ist die Materie zwar „klumpig“, aber dennoch weitgehend gleichmäßig verteilt. Wenn man einen beliebigen Himmelsausschnitt von rund 300 Millionen Lichtjahren Kantenlänge betrachtet, ähnelt er in Bezug auf Galaxiendichte, Temperatur oder Strahlungsausstoß allen anderen Ausschnitten – so die Theorie.

Bogen überspannt ein Fünfzehntel des Himmels
Doch jetzt haben Astronomen um Alexia Lopez von der University of Central Lancashire eine Struktur entdeckt, die nicht zu diesem kosmologischen Prinzip eines homogenen und isotropen Universums passt – sie ist zu groß. Es handelt sich um einen gigantischen Bogen aus fernen Galaxien und Galaxienhaufen im Sternbild Bärenhüter (Bootes), der 3,3 Milliarden Lichtjahre lang ist. Er überspannt damit 1/15 des beobachtbaren Kosmos, wie die Forschenden erklären.
Aufgespürt hat das Team diesen fast symmetrischen, rund 9,2 Milliarden Lichtjahre entfernten „Giant Arc“ über subtile Veränderungen im Licht noch weiter entfernt liegender Quasare. „Ein Quasar scheint wie ein heller Scheinwerfer durch die Galaxien im Vordergrund“, erklärt Alexia. „Anhand eines charakteristischen Paares von Absorptionslinien des Magnesium-II-Ions können wir ermitteln, wo das Licht durch eine Galaxie geschienen ist. Dadurch lässt sich auch Materie kartieren, die sonst wegen ihres schwachen Scheins unsichtbar bleiben würde.“