Enormer Hofstaat: Der Jupiter könnte statt der bisher bekannten 79 Monde sogar mehr als 600 Trabanten besitzen, wie nun Beobachtungen nahelegen. Denn Astronomen haben in nur einem kleinen Ausschnitt des Jupiterorbits 45 zuvor unbekannte kleine Monde entdeckt. Das spricht dafür, dass die Population irregulärer, retrograder Jupitermonde mit Durchmessern von 800 Metern aufwärts weit größer ist als bislang angenommen.
Der Jupiter ist in fast jeder Hinsicht ein Rekordhalter im Sonnensystem: Kein anderer Planet ist so groß, so alt und so schwer, keiner dreht sich so schnell oder erzeugt so gewaltige Stürme. Und auch der „Hofstaat“ des Gasriesen ist beachtlich: 79 Jupitermonde sind bisher bekannt. Darunter sind die großen Galileischen Monde Io, Europa, Kallisto und Ganymed, aber auch unzählige kleinere Trabanten von ein bis drei Kilometer Größe, die den Planeten weit außen und größtenteils gegen seine Rotationsrichtung umkreisen.

Mond-Fahndung am Jupiter
Doch schon länger vermuten Astronomen, dass diese äußeren irregulären Monde nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs sein könnten. Denn die mächtige Gravitation des Jupiter könnte in der Frühzeit des Sonnensystems noch weit mehr umherschwirrende Brocken eingefangen und zu Monden gemacht haben. Weil diese Trabanten jedoch klein und weit entfernt sind, waren sie für irdische Teleskope lange unsichtbar. Bis 1999 waren daher nur neun dieser kleinen irregulären Jupitermonde bekannt, inzwischen sind es 71.
Eine neue Fahndung nach Jupitermonden haben nun Astronomen um Edward Ashton von der University of British Columbia unternommen. Dafür werteten sie 60 Aufnahmen der 340 Megapixel-Hauptkamera des Canada-France-Hawaii Teleskops auf Hawaii aus. Dieses hatte im Jahr 2019 drei Stunden lang einen ein Quadratgrad großen Ausschnitt der Jupiterumgebung aufgezeichnet. Durch digitale Nachbearbeitung konnten die Forscher noch Objekte einer Helligkeit bis hinunter zu 25,7 Magnituden sichtbar machen – deutlich lichtschwächer als zuvor detektierbar.