Unerwartete Variation: Der Stern Deneb ist einer der hellsten Sterne am Himmel und schon seit Jahrtausenden bekannt. Dennoch hat er es nun geschafft, die Astronomen zu überraschen. Denn neue Beobachtungen haben enthüllt, dass dieser massereiche blaue Überriese nicht nur ständig seine Helligkeit verändert: Auch die Polarisierung seines Lichts wechselt unregelmäßig und erstaunlich stark. Warum das so ist, können die Forschenden bisher nur vermuten.
Der blaue Überriese Deneb ist am Himmel kaum zu übersehen: Im Sommerhalbjahr strahlt er als hellster Stern des Sternbilds Schwan, daher auch sein Fachname Alpha Cygni. Er bildet gemeinsam mit der Wega in der Leier und dem Altair im Adler das gut sichtbare Sommerdreieck. Seine Leuchtkraft ist rund 300.000-mal höher als die der Sonne, sei Durchmesser etwa 200-mal so groß. Schon in der Steinzeit könnten unsere Vorfahren diesen hellsten Stern der Milchstraße beobachtet und vielleicht sogar gezeichnet haben.

Prototyp eines Veränderlichen
Bekannt ist Deneb aber auch für eine weitere Auffälligkeit: Seine Helligkeit schwankt in wechselnden Abständen, dabei scheinen sich mehrere periodische Schwankungen zu überlagern. Auch seine spektrale Signatur weist diese multiperiodischen Veränderungen auf. Sie entstehen teils durch umlaufende Schwingungen und Konvektionsströmungen des Sterneninneren, teils durch regionale Dichteunterschiede der Sternenoberfläche. Der Blaue Überriese ist damit der Namensgeber für eine ganze Gruppe von sehr massereichen, veränderlichen Sternen, die sogenannten Alpha-Cygni-Sterne.
Doch jetzt haben Astronomen um Daniel Cotton vom Monterey Institute for Research in Astronomy in den USA eine weitere Eigenheit von Deneb entdeckt. Für ihre Studie hatten sie Alpha Cygni von August 2022 bis Oktober 2023 mehrfach intensiv mit verschiedenen Spektrographen ins Visier genommen, um die Polarisation seines Lichts zu messen. Damit gingen sie früheren Beobachtungen nach, die widersprüchliche Daten dazu geliefert hatten.