Späte Reionisierung: Die Morgendämmerung des Kosmos dauerte länger als gedacht. Denn noch bis 1,1 Milliarden Jahre nach dem Urknall gab es ausgedehnte Reste primordialen, neutralen Wasserstoffs im Universum, wie Astronomen mithilfe von Quasar-Spektren herausgefunden haben. Erst danach war der gesamte Wasserstoff durch die Strahlung der ersten Sterne ionisiert – die Phase der kosmischen Reionisierung endete demnach später als es gängige Modelle vorhersagen.
Als rund 380.000 Jahre nach dem Urknall die ersten Atome entstanden, wurde das Universum erstmals durchsichtig. Neutraler Wasserstoff erfüllte das All und bildete den Grundstoff für die ersten Sterne. Mit ihnen begann auch die kosmische Morgendämmerung – das Zeitalter der Reionisierung. In dieser Phase ionisierte die intensive Strahlung der Sterne und Galaxien den primordialen Wasserstoff und schuf das bis heute das All erfüllende interstellare Medium.

Doch wann genau das Zeitalter der Reionisierung begann und wie lange es dauerte, ist bislang strittig – auch weil es bisher nur wenige Daten aus dieser Frühzeit des Kosmos gibt. Beobachtungen von frühen Sternen und Elementen legen nahe, dass die Ionisierung schon weniger als 300 Millionen Jahre nach dem Urknall begonnen haben könnte und dann langsam an Fahrt gewann. Gängigen Modellen zufolge endete diese Phase dann weniger als eine Milliarde Jahre nach dem Urknall wieder.
Quasarlicht als „Zeitmaschine“
Ein anderes Bild zeichnet nun die Studie von Astronomen um Sarah Bosman vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg. Sie haben hochauflösende Lichtspektren von 67 Quasaren aus der Frühzeit des Kosmos auf die sogenannte Lyman-Alpha-Linien hin untersucht – die Spektrallinien, die bei der Absorption des Lichts durch Wasserstoff entstehen. Strahlt das Licht eines fernen Quasars durch Wolken aus neutralem Wasserstoff, sind diese Absorptionslinien besonders stark ausgeprägt.