Hartnäckige Diskrepanzen: Astronomen haben Daten von zwei verschiedenen Messmethoden kombiniert, um die bisher genaueste Karte der kosmischen Materieverteilung zu erstellen. Diese enthüllt erneut Diskrepanzen zum gängigen kosmologischen Modell. Demnach ist die normale und Dunkle Materie heute weniger „klumpig“, als sie es aufgrund der bekannten physikalischen Entwicklungsprozesse sein müsste, wie das Team berichtet. Das könnte auf eine Lücke im Standardmodell hindeuten.
Die Materieverteilung im Kosmos ist heute durch großräumige Strukturen wie Galaxienhaufen, gigantische „Voids“ und langgestreckte Filamente geprägt. Astronomen vermuten, dass diese Großstrukturen aus Fluktuationen von Strahlung und Materie in der Anfangszeit des Universums entstanden. Diese Dichteschwankungen wurden dann durch die kosmische Expansion verstärkt und erzeugten die heutige Materieverteilung – so die Theorie.
Doch in den letzten Jahren haben Kartierungen immer wieder Diskrepanzen in der Materieverteilung entdeckt. Verglichen mit den Fluktuationen des frühen Kosmos – ablesbar an der kosmischen Hintergrundstrahlung – scheinen die normale und die Dunkle Materie heute zu homogen verteilt. Die Diskrepanzen zeigen sich unter anderem im sogenannten S8-Parameter. Dieser Scherungsfaktor gibt an, wie stark die Dichte der Materie bei einer bestimmten Durchschnittsdichte schwankt.

Zwei Messmethoden kombiniert
Um auszuschließen, dass diese Diskrepanzen auf Eigenheiten bestimmter Teleskope und Messmethoden zurückgehen, haben sich nun Astronomen zusammengetan, um Daten von zwei großen Himmelsdurchmusterungen miteinander zu kombinieren. Die erste ist der Dark Energy Survey (DES), der mithilfe eines Teleskops in der Atacama-Wüste sechs Jahre lang den Himmel im optischen und Nahinfrarotbereich kartiert hat. Der zweite Datensatz stammt vom South Pole Telescope, einem Radioteleskop am Südpol.