Alles fließt: Wie die irdischen Gletscher ist auch das Kohlendioxid-Eis am Südpol des Roten Planeten in Bewegung – und dies anders als bisher gedacht. Denn statt sich nur durch Ausgasen und Ablagern zu verändern, fließen die dicken Trockeneisschichten langsam zu Tal wie die großen Eisströme der Erde. Darauf deuten Aufnahmen von Marssonden und geophysikalische Modelle hin. Der längste dieser Südpol-Gletscher ist 200 Kilometer lang.
Auf dem heute trockenen und kalten Mars gibt es große Mengen an Wassereis und gefrorenem Kohlendioxid. Ein Teil dieser Eisvorkommen liegt in Form von Gletscherrelikten im Untergrund verborgen, ein weiterer Teil sammelt sich in den Eiskappen der beiden marsianischen Pole. Bisher gingen Forscher davon aus, dass die kilometerdicken Schichten aus Wassereis und CO2-Eis durch Ablagerung dieser Eise direkt aus der Atmosphäre entstanden sind – und sich auch später nur durch Sublimation und Kondensation veränderten.

„Diese CO2-Gletscher haben genügend Masse, um nach dem Ausgasen den Atmosphärendruck des Mars zu verdoppeln“, erklärt Smith. Gängiger Annahme nach entstanden diese Eisablagerungen vor rund 600.000 Jahren und sind seither durch Sublimation mehrfach gewachsen und geschrumpft.
Eis-Senken widersprechen Theorie
Doch dem widersprechen nun neue Erkenntnisse, die ein Team um Isaac Smith vom Planetary Science Institute gewonnen hat. Das Team hat Daten und Radaraufnahmen der Trockeneisvorkommen am Mars-Südpol ausgewertet und mithilfe eines speziell an die Marsbedingungen angepassten physikalischen Eismodells untersucht, ob und wie sich dieses CO2-Eis bewegen kann.