Und sie bewegt sich doch: Die Radcliffe-Welle, ein riesiges, nur 500 Lichtjahre von uns entferntes Band aus Sternenwiegen und Gaswolken, ist dynamischer als gedacht. Denn diese galaktische Megastruktur oszilliert wie eine La-Ola-Welle, wie Astronomen jetzt herausgefunden haben. Ihre Vermessung mithilfe von Jungsternen legt zudem nahe, dass das gesamte Band einst durch unsere lokale Blase verlief. Demnach könnten auch die Sterne, deren Supernovae diese Blase freiwehten, einst in der Radcliffe-Welle geboren worden sein.
Unsere Heimatgalaxie sorgt immer wieder für Überraschungen. So haben Astronomen erst in den letzten Jahren die Rotation der Milchstraße genauer bestimmt, verblüffend junge Sterne in ihrem Herzen aufgespürt und gleich mehrere Anomalien in ihrer Großstruktur entdeckt. Dazu gehören die verbeulte Form der Sternenscheibe, aber auch gigantische Blasen, „Schornsteine“ und Ringe.

Bewegt sich die Radcliffe-Welle oder nicht?
Im Jahr 2020 enthüllten Daten des europäischen Gaia-Weltraumteleskops, dass es in unserer galaktischen Nachbarschaft – in nur rund 500 Lichtjahren Entfernung – ein gigantisches, wellenförmiges Band aus Sternenwiegen und Gaswolken gibt. Diese Radcliffe-Welle ist rund 9.000 Lichtjahre lang und erstreckt sich von uns aus gesehen über das halbe Firmament. „Es ist die größte uns bekannte kohärente Struktur dieser Art – und sie ist uns wirklich sehr nahe“, sagt Koautorin Catherine Zucker von der Harvard University.
Unklar blieb jedoch, ob die Radcliffe-Welle statisch ist oder sich bewegt. Deshalb hat nun ein Team um Zucker und Erstautor Ralf Konietzka von der Harvard University das gewaltige Band noch einmal mithilfe neuerer Gaia-Daten untersucht. Sie analysierten dafür gezielt die dreidimensionale Bewegung von Jungsternen in mehreren jungen Sternhaufen der Welle. „Anhand der Bewegung der Baby-Sterne, die entlang der Radcliffe-Welle geboren wurden, können wir die Bewegung ihres Ursprungsgases nachverfolgen“, erklärt Konietzka.