Galaktische Abgasventile: Astronomen haben zwei gigantische „Schornsteine“ aus glühendem Plasma am Zentrum der Milchstraße entdeckt. Diese rund 500 Lichtjahre langen Zylinder aus heißem Gas sind nur im Röntgenlicht sichtbar und scheinen Energie vom Galaxienzentrum bis zu den rätselhaften Fermi-Blasen zu transportieren. Diese „Schornsteine“ bilden damit das Bindeglied zu diesen noch größeren Gammastrahlen-Gebilden, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.
Das Zentrum der Milchstraße wird von zwei gewaltigen Blasen aus energiereicher Gamma- und Röntgenstrahlung eingerahmt. Diese Fermi-Blasen ragen rund 50.00 Lichtjahre nach oben und unten aus der Galaxienebene hinaus. In diesen Gebilden rasen heiße Gase mit enormem Tempo ins All hinaus – möglicherweise ausgeschleudert vom letzten großen Ausbruch des zentralen Schwarzen Lochs unserer Milchstraße. Unmittelbar am galaktischen Zentrum existieren zudem zwei viel kleinere, nur etwa 50 Lichtjahre große Röntgen-Auswölbungen – möglicherweise Spuren schwächerer Ausbrüche.
„Schornsteine“ am Galaxienzentrum
Seltsam nur: Die riesigen Fermi-Blasen schienen keinen direkten Kontakt zum Milchstraßenzentrum oder dessen kleinen Auswölbungen zu haben – dazwischen klafft eine Lücke von rund 320 Lichtjahren. Doch nun haben Gabriele Ponti vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching und ihr Team das fehlende Bindeglied entdeckt. Für ihre Studie richteten sie das ESA-Röntgenteleskop XMM-Newton gezielt auf das galaktische Zentrum und die vermeintliche Lücke und werteten 750 Stunden an Beobachtungsdaten aus.

Das überraschende Ergebnis: In der Lücke gibt es doch etwas. „Wir haben prominente Röntgenstrukturen über und unter der Milchstraßenebene gefunden, die die Region des galaktischen Zentrums mit den Fermi-Blasen zu verbinden scheinen“, berichten die Forscher. Diese von ihnen „Schornsteine“ getauften Strukturen sind zylinderförmig, stehen fast genau senkrecht über den zentralen Schwarzen Loch und sind rund 500 Lichtjahre lang.