Ein Schwarm von 10.000 oder mehr Schwarzen Löchern könnte sich im Zentrum unserer Milchstraße verstecken. Das NASA-Röntgenobservatorium Chandra hat Hinweise darauf gefunden, dass das supermassive Schwarze Loch Sagittarius A (Sgr A) von einem Schwarm von kleineren „Begleitern“ umkreist wird. Damit hätte diese Region die höchste Konzentration von Schwarzen Löchern in der gesamten Galaxis.
Die relativ kleinen, etwa einer Sternenmasse entsprechenden Schwarzen Löcher scheinen gemeinsam mit Neutronensternen im Laufe von mehreren Milliarden Jahren in das galaktische Zentrum gewandert zu sein. Einen solchen dichten „Sternenfriedhof“ haben die Astronomen zwar seit Jahren vermutet, doch erst jetzt geben die neuen Beobachtungsdaten Hinweise auf seine tatsächliche Existenz. Gleichzeitig könnte sie auch helfen, das Wachstum und Erhalten des supermassiven Schwarzen Lochs besser zu verstehen.
Die Entdeckung geschah im Rahmen des laufenden Chandra-Programms, bei dem insbesondere die Region um Sagittarius A, das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße, beobachtet wird. Unter den Tausenden von Röntgenquellen im Umkreis von 70 Lichtjahren um Sgr A suchten Michael Muno und seine Kollegen von der Universität von Kalifornien in Los Angeles nach denjenigen, die große Variationen in ihrer Strahlung aufweisen und damit die wahrscheinlichsten Kandidaten für ein Schwarzes Loch oder einen Neutronen-Doppelstern sind. Von den sieben Quellen, die dieses Kriterium erfüllten, befanden sich vier in einem Radius von nur drei Lichtjahren um Sagittarius A.
“Obwohl die Region um Sgr A von Sternen nur so wimmelt, erwarteten wir nur eine 20-prozentige Chance, dass wir auch nur einen Neutronen-Doppelstern in diesem Radius finden würden“, erklärt Muno. „Die beobachtete hohe Dichte dieser Quellen deutet daraufhin, dass eine große Anzahl von Schwarzen Löchern und Neutronensternen sich im Zentrum der Galaxie versammelt haben.”