Kollision der Giganten: Das zentrale Schwarze Loch der Milchstraße verdankt seine heutigen Merkmale einer Verschmelzung – es ist vor rund neun Milliarden Jahren mit einem zweiten supermassereichen Schwarzen Loch kollidiert, wie Astronomen entdeckt haben. Demnach vereinten sich bei der Kollision der Milchstraße mit der Zwerggalaxie Gaia-Enceladus auch die Schwarzen Löcher beider Galaxien. Diese Verschmelzung erklärt, warum Sagittarius A* heute schneller rotiert als erwartet und gegenüber der Galaxienebene gekippt ist, wie das Team in „Nature Astronomy“ berichtet.
Im Herzen der Milchstraße liegt das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A*. Dieses rund vier Millionen Sonnenmassen schwere Schwarze Loch ist heute zwar inaktiv, doch gewaltige Blasen und „Schornsteine“ aus schnellen Gasen und Gammastrahlen zeugen von vergangenen Ausbrüchen und Aktivität. Aufnahmen und Daten des Event Horizon Telescope (EHT) haben zudem enthüllt, dass Sagittarius A* unerwartet schnell rotiert und dabei gegen die Galaxienebene gekippt ist.

Widerspruch zu Wachstumsmodellen
Das Überraschende daran: „Wenn diese Daten stimmen, dann steht diese Rotation von Sagittarius A* im Widerspruch zu den Modellen des Wachstums supermassereicher Schwarzer Löcher durch Akkretion“, erklären Yihan Wang und Bing Zhang von der University of Nevada. Denn nach diesen zehren die zentralen Schwarzen Löcher von dem Material ihrer Wirtsgalaxie und bewegen sich dadurch etwa gleichschnell und auf derselben Ebene wie diese.
Doch das ist bei Sagittarius A* nicht der Fall. Auf der Suche nach einer Erklärung haben die Astronomen die EHT-Daten noch einmal genauer analysiert und auf ihrer Basis mehrere Simulationen durchgeführt. In diesen testeten sie, welches Szenario das heutige Verhalten unseres zentralen Schwarzen Lochs am besten erklären kann.