Kosmische Kristallkugeln: In unserer Milchstraße könnte es Millionen von Weißen Zwergen geben, die komplett aus kristallisiertem Material bestehen. Diese Sternenreste haben sich soweit abgekühlt, dass Kohlenstoff und Sauerstoff in ihrem Inneren erstarrt sind. Belege für diesen schon länger postulierten Phasenübergang haben Astronomen nun bei der Durchmusterung von 15.000 weißen Zwergen in unserer Galaxie entdeckt, wie sie im Fachmagazin „Nature“ berichten.
Weiße Zwerge sind die Überreste von massearmen Sternen wie unserer Sonne. Wenn diese Sterne ihren Fusionsbrennstoff verbraucht haben, werden sie erst zum Roten Riesen und schleudern dann in mehreren Explosionen ihre äußere Hülle von sich. Übrig bleibt der Sternenkern, in dem Kohlenstoff- und Sauerstoffionen zu einem Plasma extrem hoher Dichte komprimiert sind. Solange die Weißen Zwerge noch jung und heiß sind, liegt dieses Plasma als eine Art Flüssigkeit vor.
Wenn der Sternenkern erstarrt
Doch das bleibt nicht so: Der Theorie nach führt die anhaltende Abkühlung der Weißen Zwerge an einem bestimmten Punkt zum Phasenübergang. Dabei kristallisieren die Kohlenstoff- und Sauerstoffionen im Sternenkern aus – das Innere der Weißen Zwerge erstarrt. Gleichzeitig wird bei diesem Phasenwechsel Kristallisationswärme abgegeben, die die Abkühlung des Weißen Zwergs vorübergehend stoppt oder zumindest stark verlangsamt.
„Schon vor 50 Jahren wurde deshalb vorhergesagt, dass wir eine Häufung von Weißen Zwergen mit bestimmten Helligkeiten und Farben beobachten müssten“, erklärt Erstautor Pier-Emmanuel Tremblay von der University of Warwick. Anders ausgedrückt: Betrachtet man die Temperaturverteilung Weißer Zwerge im nahen Kosmos, müsste es in der Kurve einen Buckel geben, der durch die Kristallisation verursacht wird. „Ein direkter Beobachtungsbeweis für diesen Effekt fehlte aber bisher“, so die Forscher.