Überraschender Fund: Im Zentrum der Milchstraße haben Astronomen eine ganze Population von neuartigen Radio-Filamenten entdeckt. Diese fädigen Strukturen sind fünf bis zehn Lichtjahre lang und verteilen sich zu Hunderten um die Galaxienebene. Ihre Ausrichtung lässt sich zum zentralen Schwarzen Loch unserer Galaxie zurückverfolgen. Die erst rund sechs Millionen Jahre alten Filamente könnten demnach von einem intensiven Ausstrom aus den supermassereichen Schwarzen Loch verursacht worden sein, wie das Team berichtet.
Obwohl die Milchstraße unsere Heimatgalaxie ist, finden Astronomen immer wieder überraschende neue Strukturen und Phänomene in ihr – dies gilt vor allem für das galaktische Zentrum. Denn dort, im Umfeld des supermassereichen Schwarzen Lochs Sagittarius A*, zeigt unsere Galaxie riesige Blasen, Ringe und Schornsteine, die erst im Gamma-, Röntgen- und Radiobereich zutage treten. Auch dünne, senkrecht auf der Milchstraßeneben stehende Radiofilamente wurden dort schon vor gut 40 Jahren entdeckt.

„Wie Punkte und Striche eines Morsecodes“
Jetzt haben Astronomen eine weitere zuvor unbekannte Struktur im Milchstraßenherz entdeckt – durch Zufall. Denn eigentlich wollten Farhad Yusef-Zadeh von der Northwestern University in Illinois und sein Team nur die senkrechten Radiofilamente noch einmal genauer charakterisieren. Dafür beobachteten sie den inneren Bereich unserer Galaxie mithilfe des MeerKAT-Radioobservatoriums in Südafrika. Die Aufnahmen deckten den Frequenzbereich von 856 Megahertz bis 1,7 Gigahertz ab und waren auf 1,28 Gigahertz fokussiert.
Zur Überraschung der Astronomen zeigten die MeerKAT-Aufnahmen nicht nur die schon bekannten, rund 150 Lichtjahre langen, senkrechten Radiofilamente, sondern zusätzlich eine ganze Population aus hunderten zuvor unerkannten fädigen Strukturen. Diese liegen weitgehend parallel zur galaktischen Ebene und sind deutlich kürzer als die schon bekannten Filamente: Mit einer Länge von fünf bis zehn Lichtjahren ähneln diese Radiofäden eher den Punkten und Strichen eines Morsecodes, wie die Forschenden erklären.