Hell, häufig und überraschend heiß: Astronomen haben neue Einblicke in die erst kürzlich entdeckten solaren „Lagerfeuer“ erhalten – Miniatur-Strahlenausbrüche auf der Sonne. Demnach entstehen diese Ausbrüche oberhalb der Sonnenoberfläche, wenn sich Bündel aus nahe beieinanderliegenden Magnetfeldschleifen berühren. Diese Rekonnexion heizt das Plasma auf bis zu einer Million Grad auf und könnte erklären, warum die Sonnenkorona so viel heißer ist als die Sonnenoberfläche.
Es ist eines der größten Rätsel unserer Sonne: Obwohl ihre Oberfläche „nur“ rund 5.500 Grad heiß ist, erreichen die Temperaturen ihrer weit nach außen reichenden Korona mehr als eine Million Grad. Woher die Sonnenkorona die Energie für diesen Temperatursprung nimmt und welche Prozesse sie aufheizen, ist bislang strittig. Diskutiert werden verschiedene Wellenphänomene, Strahlungsausbrüche und auch magnetische Rekonnexionen – eine Art Kurzschluss zwischen zwei Magnetfeldlinien.
Neues zu den solaren „Lagerfeuern“
Jetzt liefern Aufnahmen und Daten der europäischen Sonnensonde Solar Orbiter neue Informationen über ein Phänomen, das möglicherweise entscheidend zur Aufheizung der Sonnenkorona beiträgt. Es handelt sich um Miniatur-Strahlenausbrüche, die zwischen 400 und 4.000 Kilometer groß sind, aber nur zehn bis 200 Sekunden anhalten. Wissenschaftler haben diese erstmals im Jahr 2020 dokumentierten Mini-Ausbrüche „Lagerfeuer“ getauft.
Inzwischen hat die Sonnensonde im Verlauf ihrer stetigen Annäherung an die Sonne weitere Aufnahmen solcher solaren Lagerfeuer übermittelt. Die wichtigsten dieser Daten stammen vom Extreme Ultraviolet Imager (EUI) der Sonde, der den Bereich des Spektrums abdeckt, in dem dieses Phänomen am besten zu erkennen ist. Ein Forschungsteam um David Berghmans vom Königlichen Observatorium Belgiens in Brüssel hat nun Bilder und Messdaten zu 1.500 dieser Mini-Ausbrüche näher analysiert.