Ein X am Himmel: Seit Jahrzehnten rätseln Astronomen, warum einige aktive Galaxien vier x-förmig angeordnete Radiojets statt der normalen zwei zeigen. Jetzt liefert eine Modellsimulation die überraschende Antwort. Anders als gedacht erfordern die X-förmigen Radiogalaxien weder doppelte Schwarze Löcher noch andere seltene Konstellationen. Stattdessen sind sie eine Art Jugendstadium der normalen Radiogalaxien – eine kurze, aber durchaus normale Phase in der Entwicklung solcher aktiven Galaxien.
Radiogalaxien gehören zu den größten und auffallendsten galaktischen Strukturen im Kosmos. Denn die aktiven supermassereichen Schwarzen Löcher in ihrem Zentrum erzeugen gewaltige paarige Jets aus schnellen Teilchen und Strahlung, die im Radiowellenbereich strahlen und Millionen von Lichtjahren ins All hinausreichen können. Typisch ist, dass die Radiojets von den Polen des Schwarzen Lochs ausgehen und in genau entgegengesetzte Richtungen zeigen.

Wie kommt das X zustande?
Doch einige Radiogalaxien passen nichts ins gängige Bild: „Fünf bis zehn Prozent der Radiogalaxien zeigen eine verblüffende X-Form – sie besitzen zwei Jet-Paare, die in sehr unterschiedlichen Winkeln vom Galaxienzentrum ausgehen“, erklären Aretaios Lalakos von der Northwestern University in Illinois und seine Kollegen. Wie diese X-förmigen Radiogalaxien zustande kommen und warum, war bisher jedoch rätselhaft.
„Eine populäre Hypothese ist, dass zwei Galaxien kollidieren“, erklärt Lalakos. Die zentralen Schwarzen Löcher dieser Galaxien umkreisen sich dabei, bevor sie verschmelzen, und bilden jeweils ihr eigenes Paar von Radiojets. Alternativ könnte ein Schwarzes Loch nach einer Pause oder Kollision in neuer Ausrichtung wieder aktiv werden. Die Reste der ursprünglichen Jets bleiben dann noch länger sichtbar. „Eine weitere Hypothese ist, dass die Form der Jets durch die Interaktion mit einer Hülle aus heißem, dichtem Gas verändert wurde“, so Lalakos.