Hellhöriger Mars: Schall breitet sich auf dem Mars weiter aus als bisher gedacht, wie neue Tonaufnahmen des Mars-Rovers Perseverance enthüllen. Seine Mikrophone haben inzwischen fünf Stunden marsianischer Geräusche aufgezeichnet – vom Wind über das Ticken der Laserpulse am Roboterarm bis zum Rotorgeräusch der 80 Meter entfernten Marsdrohne Ingenuity. Die Analysen dieser Sounds legen nahe, dass zwei der drei gängigen Modelle zur Mars-Atmosphäre falsch sind.
Wie weit sich Schall in einer Atmosphäre ausbreitet und welche Frequenzen übertragen werden, hängt von der Dichte und Zusammensetzung der Luft ab. Während die relativ dichte Luft der Erde viele Geräusche über hunderte Meter transportieren kann, ist die Reichweite des Schalls in dünneren Atmosphären geringer. Bisher allerdings hat noch nie jemand Schallmessungen auf einem anderen Planeten durchgeführt – auch nicht auf unserem Nachbarplaneten Mars.
Wie klingt der Mars?
Wie weit beispielsweise der Lärm einer startenden Raumsonde auf dem Mars hörbar wäre oder wie laut der Wind rauscht, konnten Planetenforscher bisher nur auf Basis von Modellen abschätzen. Diesen Simulationen nach absorbiert die Marsatmosphäre den Schall gut 100-mal stärker als die irdische und schluckt dabei vor allem die hohen Frequenzen. Ob diese theoretische Werten aber stimmen, ließ sich bisher nicht überprüfen.
Doch jetzt hat sich dies geändert: Mit dem Mars-Rover Perseverance ist erstmals ein Gefährt auf dem Roten Planeten unterwegs, das gleich zwei Mikrophone an Bord hat – eines an seinem Mast, das zweite unten am Fahrgestell. Bereits im März übermittelte dieses zweite Mikrophon erstmals die Fahrgeräusche eines Rovers auf dem Mars. Inzwischen hat der Rover fünf Stunden an Tonaufnahmen zur Erde geschickt, darunter auch Geräusche, die viel über die marsianische Schallausbreitung verraten.