Versteckter Dritter im Bunde: Die massereichen, von einer großen Plasmascheibe umgebenen Be-Sterne gelten als stellare Vampire – sie haben einem Begleiter Material abgesaugt. Jetzt legen neue Analysen nahe, dass viele dieser Vampirsterne nicht nur einen, sondern gleich zwei Begleiter haben könnten. Erst diese Dreier-Interaktion könnte einen der Partner in „aussaugbare“ Nähe zum Be-Stern gebracht haben, wie Astronomen erklären. Ob dieses Szenario stimmt, muss allerdings erst noch geklärt werden.
Be-Sterne sind massereiche, oft bläulich leuchtende Riesensterne, die gleich mehrere ungewöhnliche Eigenschaften haben: Sie rotieren so schnell, dass sie sich nahe am Maximum der noch stabilen Drehung bewegen. Durch diese schnelle Rotation sind diese Sterne deutlich abgeplattet und zudem von einer Scheibe aus Gas und Plasma umgeben. Astronomen vermuten, dass dieses Material nicht vom Be-Stern selbst stammt, sondern von einem nahen Begleiter, den der Be-Stern seiner Hülle beraubt hat.

Allerdings: Bisher konnten nur bei sehr wenigen dieser „Vampirsterne“ nahe Begleiter gefunden werden. Daher ist bisher offen, ob die Hypothese des ausgesaugten Partnersterns zutrifft oder nicht.
Bewegung der „Vampirsterne“ im Visier
Um diese Frage zu klären, haben Astronomen um Jonathan Dodd von der University of Leeds sich nun die Be-Sterne noch einmal genauer angeschaut. Für ihre Studie nutzten sie die Daten des europäischen Weltraumteleskops Gaia, um die Bewegungen von gut 10.000 Vampirsternen und „normalen“ Riesensternen der Spektralklasse B zu analysieren und zu vergleichen. Ziel war es dabei zu ermitteln, ob sich die Rate von Doppelsystemen bei beiden Sterntypen unterscheidet.