Verblüffender Fund: Ein vermeintlicher Komet vom eisigen Rand des Sonnensystems hat sich überraschend als „ausgestoßener“ Asteroid entpuppt. Ursprünglich in Sonnennähe entstanden, wurde er in der Frühzeit des Sonnensystems weit nach außen geschleudert. In den kalten Weiten der Oortschen Wolke blieb der Asteroid seither nahezu unverändert „eingefroren“ – und ist damit ein einzigartiger Zeitzeuge für die Frühzeit unseres Sonnensystems, so die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“.
Lange Zeit schien die Unterscheidung klar: Asteroiden bestehen aus Gestein oder Metall und kreisen im inneren Sonnensystem, beispielsweise im Asteroidengürtel. Kometen dagegen sind eisreiche Brocken aus der Oortschen Wolke am Rand des Sonnensystems. Kommen sie bei einem ihrer seltenen Besuche der Sonne näher, bilden sie einen langen Schweif aus Staub und Gasen. So weit, so klar getrennt.
Rätselhafte Sonderlinge
Doch inzwischen haben Astronomen immer mehr rätselhafte Zwitter entdeckt: Im Asteroidengürtel gibt es gleich mehrere Brocken, die ähnlich wie Kometen einen Schweif ausbilden. Andere enthalten ungewöhnlich viel Eis. Forscher vermuten daher, dass es sich um schlafende Kometen handeln könnte – Objekte aus dem äußeren Sonnensystem, die vom Asteroidengürtel eingefangen wurden.
Karen Meech von der University of Hawaii und ihre Kollegen haben nun erstmals den umgekehrten Fall entdeckt: Einen Asteroiden, der ursprünglich in Sonnennähe entstand, dann aber weit nach außen geschleudert wurde. Er ist das erste bekannte Objekt, das sich auf einer langperiodischen Kometen-Umlaufbahn befindet und dennoch die Eigenschaften eines urzeitlichen Asteroiden aus dem inneren Sonnensystem besitzt.