Langsamer Riese: Astronomen haben erste Hinweise darauf gewonnen, wie schnell sich das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße dreht. Demnach kann Sagittarius A* nur relativ langsam rotieren – mit höchstens zehn Prozent der maximal möglichen Geschwindigkeit. Wäre es mehr, müsste sich dies an den Bahnen von Sternen in der Nähe des Schwerkraftgiganten zeigen. Das wirft auch neues Licht auf die Frage, ob unser Schwarzes Loch einen Jet besitzt.
Alle Schwarzen Löcher lassen sich durch zwei miteinander verknüpfte Merkmale beschreiben: ihre Masse und ihren Drehimpuls. An der Masse lässt sich erkennen, ob ein solcher Schwerkraftgigant aus dem Kollaps eines Sterns entstanden ist oder aber zu den supermassereichen Riesen im Herzen von Galaxien gehört. Die Rotation des Schwarzen Lochs spielt dagegen eine wichtige Rolle unter anderem für die Galaxienbildung, die Form der Materieströme in seinem Umfeld und auch für den Ereignishorizont.
Wie schnell rotiert Sagittarius A*?
Das Problem jedoch: Während sich die Masse eines Schwarzen Lochs meist recht gut bestimmen lässt, ist dies bei der Eigendrehung schwieriger. Bei aktiven, starke Strahlung aussendenden Galaxienkernen lässt sich dies an subtilen Veränderungen im Spektrum ablesen. Bei inaktiven Schwarzen Löchern wie Sagittarius A* im Herzen der Milchstraße geht dies jedoch nicht – sie sind unsichtbar. Als Folge ist bislang unklar, ob und wie schnell Sagittarius A* rotiert.
Jetzt haben zwei US-Astronomen eine neue Möglichkeit gefunden, die Rotation unseres zentralen Schwarzen Lochs zumindest einzugrenzen – mithilfe der sogenannten S-Sterne im Milchstraßenzentrum. Die Bahnen dieser Sterne sind stark von der Schwerkraft des Schwarzen Lochs beeinflusst, deshalb verraten sie sowohl seine Existenz als auch Details seiner Gravitationswirkung.