Vom Meer zum Eis: Der Zwergplanet Ceres könnte von einem schlammigen Ozean bedeckt gewesen sein, wie neue Modelle nahelegen. Demnach ist die Kruste dieses größten Objekts im Asteroidengürtel viel eisreicher als gedacht. Sie könnte zu gut 90 Prozent aus Wassereis bestehen – möglicherweise dem Relikt eines einstigen Ozeans. Dies würde bisher schwer erklärbare Diskrepanzen in den Daten erklären und macht Ceres zur erdnächsten Eiswelt im Sonnensystem, wie das Team in „Nature Astronomy“ berichtet.
Der gut 900 Kilometer große Zwergplanet Ceres ist der größte Himmelskörper im Asteroidengürtel – und ein echter Sonderling. Denn er ist nicht nur viel größer und planetenähnlicher als die anderen Asteroiden, auch seine Zusammensetzung überrascht: Ceres‘ Kruste enthält ungewöhnlich viel Wassereis und Salze. Sogar Eisvulkane könnte es auf dem Zwergplaneten geben – obwohl Objekte im Asteroidengürtel meist extrem trocken und wasserarm sind.

Doch wie viel Wassereis enthält die Kruste von Ceres? Messdaten der Raumsonde Dawn legten nahe, dass seine Krustendichte nahe an der von Wassereis liegt. Demgegenüber sind die vielen Einschlagskrater auf Ceres‘ Oberfläche aber kaum verformt. Würde sie jedoch aus Eis bestehen, müsste sie sich bei den Temperaturen auf Ceres plastisch verformen und abflachen. Das aber ist nicht der Fall, wie die Dawn-Aufnahmen zeigten. Deshalb nahm man bisher an, dass die Kruste von Ceres nicht mehr als 30 oder 40 Prozent Wassereis enthalten kann. Aber wie ist dies mit den chemischen Daten vereinbar?
Ceres‘ Kruste in drei Varianten
Um diese Diskrepanzen aufzuklären, haben Ian Pamerleau von der Purdue University in Indiana und seine Kollegen die Beschaffenheit der Ceres-Kruste und ihr Fließverhalten in drei physikalischen Modellen rekonstruiert. In der ersten Variante besteht die Ceres-Kruste aus 90 Prozent Wassereis mit Beimischungen von Staub und Salzen. In der zweiten liegt eine 20 Kilometer dicke Eisschicht auf einer eisarmen Unterlage – ein Fall, der geophysikalisch als eher unwahrscheinlich gilt, wie die Forscher erklären. Im dritten Fall nimmt der Eisgehalt der Kruste von 90 Prozent an der Oberfläche graduell bis auf null Prozent in 117 Kilometer Tiefe ab.