Opfer der Zentrifugalkraft: Im Asteroidengürtel haben Astronomen einen Asteroiden entdeckt, dessen Staubschweife seinen Zerfall ankündigen. Das Spannende daran: Der Vier-Kilometer-Brocken ist weder kollidiert noch ist er ein toter Komet. Stattdessen lässt ihn der ungleiche Einfluss der Sonnenstrahlung so schnell rotieren, dass die Zentrifugalkraft den Asteroiden förmlich auseinanderreißt. Er ist damit ein seltenes Beispiel für den sogenannte YORP-Effekt.
Normalerweise ist klar: Ein Komet entwickelt in Sonnennähe einen Schweif, ein Asteroid aber nicht. Denn letzterer ist zu steinig und trocken, um auszugasen und so größere Mengen an Substanz ins All zu verlieren. Doch inzwischen gibt es einige Himmelskörper, die diesem Prinzip widersprechen. Unter ihnen sind Brocken im Asteroidengürtel, die sich als „tote Kometen“ entpuppten, aber auch echte Asteroiden wie P/2013 P5, ein Gesteinsbrocken mit gleich sechs Schweifen.
Asteroid mit zwei Schweifen
Jetzt haben Astronomen um Jan Kleyna von der University of Hawaii ein weiteres Beispiel für einen schweiftragenden Asteroiden aufgespürt. Der rund vier Kilometer große 6478 Gault wurde bereits 1988 entdeckt, zeigte damals aber noch keine besonderen Auffälligkeiten. Im Januar 2019 jedoch änderte sich dies: Die Teleskope des ATLAS Sky Survey auf Hawaii beobachteten nun, dass der Asteroid einen langen Trümmerschweif hinter sich herzog. Weitere Beobachtungen enthüllten wenig später noch einen zweiten Schweif.
Was aber ist die Ursache? Um das herauszufinden, haben die Astronomen den Asteroiden und seine Schweife mit verschiedenen Teleskopen weiter beobachtet und auch ältere Daten noch einmal ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass die Staubschweife von 6478 Gault nicht gleichgeblieben sind, sondern zweimal in kurzen Ausbrüchen dichter wurden. In ihnen werden dabei Staubpartikel mit 0,7 Metern pro Sekunde ins All geschleudert.