Molekulare Ansteckung: Forscher haben weitere Belege dafür gefunden, dass die alzheimertypische Fehlfaltung der Amyloid-Proteine übertragbar ist. Werden diese krankmachenden Proteine Mäusen direkt ins Gehirn gespritzt, entwickeln auch sie Amyloid-Plaques. Das bedeute nicht, dass Alzheimer-Patienten ansteckend sind, betonen die Forscher im Fachmagazin „Nature“. Eine potenzielle Gefahr bestehe aber bei Transplantationen kontaminierter Hirnhäute oder Operationen mit kontaminierten Instrumenten.
Alzheimer gilt als nicht ansteckend – und ist es im normalen Umgang mit Patienten auch nicht. Anders sieht dies aber aus, wenn die für Alzheimer typischen Amyloid Proteine in das Gehirn gesunder Menschen gelangen – beispielsweise durch kontaminiertes Wachstumsprotein oder bei einer Hirnhaut-Transplantation. Schon vor einigen Jahren haben Forscher Indizien dafür entdeckt, dass die Alzheimer-Proteine dann ihre Fehlfaltung auf die Proteine im Gehirn der Empfänger übertragen können.
Wie ansteckend ist die Fehlfaltung?
Allerdings: In diesen Fällen lagen nur Indizien für eine solche Übertragung vor – auf frischer Tat „ertappt“ hatte man den Ansteckungsprozess nicht. Ob und wie die fehlgefalteten Proteine im Gehirn der Empfänger tatsächlich zur Bildung von Amyloid-Plaques führen, blieb daher vorerst offen. „Eine Kausalität konnten wir nicht belegen“, betonen John Collinge vom University College London und seine Kollegen.
Jetzt haben die Forscher dies nachgeholt. Für ihre Studie untersuchten sie zunächst, ob die Wachstumshormone, die die Patienten ihrer früheren Studie erhalten hatten, tatsächlich fehlgefaltete Amyloid-Proteine enthielten. Denn nur dann konnte damals auch eine Übertragung stattgefunden haben. Das Ergebnis war positiv. Damit war die potenzielle Ansteckungsquelle gefunden.