Ist Asbest einmal in die Lunge gelangt, ist es zu spät: Die krebserregenden Fasern bleiben im Gewebe, ohne dass sie abgebaut oder ausgeschieden werden. Die Asbestbelastung des Gewebes bleibt unverändert hoch, wie eine Studie jetzt erstmals belegt. Das aber bedeutet: Selbst wenn der letzte Kontakt mit Asbest schon Jahrzehnte zurückliegt, können Asbestfasern noch krankmachen.
Asbest galt lange als „Mineral der tausend Möglichkeiten“ – und wurden entsprechend vielseitig eingesetzt. Die winzigen Fasern fanden sich in Dämmstoffen, feuerfesten Textilien und vielen Baumaterialien. Doch inzwischen ist klar, dass die Asbestfasern schwerwiegende Gesundheitsschäden verursachen: Sie sind krebserregend und dringen selbst in die Zellen von Lunge und anderen Geweben ein, wie Studien zeigen.
Das Tückische daran: Zwischen dem ersten Asbestkontakt und dem Ausbruch einer asbestbedingten Erkrankung können zehn bis 60 Jahre liegen. „Das heißt, eine asbestinduzierte Erkrankung kann noch ausbrechen, obwohl der letzte Asbestkontakt schon sehr lange zurückliegt“, erklärt Seniorautorin Andrea Tannapfel von der Ruhr-Universität Bochum.
Wie lange bleibt Asbest in der Lunge?
Unklar war dabei jedoch, ob auch die Asbestfasern so lange Zeit im Körper bleiben – oder ob sich die Lunge ähnlich wie bei den Folgen des Rauchens im Laufe der Zeit erholt. Um das zu klären, durchforsteten Tannapfel und ihr Team in den Gesundheitsdaten von mehr als 23.000 Lungenpatienten. Sie suchten nach Fällen, bei denen Patienten im Abstand von mindestens vier Jahren asbesthaltige Proben des Lungengewebes entnommen worden waren.