Genetisch vorbelastet: Forscher haben fünf Genvarianten identifiziert, die einen schweren Verlauf von Covid-19 begünstigen könnten. Eines dieser Gene fördert Entzündungsreaktionen wie den Cytokinsturm, der selbst jüngere Patienten auf die Intensivstation bringt. Eine andere Genvariante hemmt die Freisetzung des Immunbotenstoffs Interferon. Das Positive jedoch: Es gibt bereits Wirkstoffe, die einige dieser Effekte ausgleichen können, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“ berichten.
Die Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 trifft nicht jeden gleich schwer: Einige bekommen kaum Covid-19-Symptome, während andere auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen. Und selbst bei milderen Verläufen gibt es sieben verschiedene Symptomkomplexe. Woher diese Unterschiede kommen, ist jedoch erst in Ansätzen geklärt. So spielt der individuelle Immuntyp eine Rolle, aber auch einige Gene scheinen die Anfälligkeit für Covid-19 zu erhöhen, darunter ein Blutgruppen-Gen sowie ein von den Neandertalern geerbtes Genstück.
Genetische Fahndung bei schwerkranken Covid-19-Patienten
Welche Gene das Risiko für einen besonders schweren Verlauf von Covid-19 erhöhen, hat nun ein Team um Studienleiter Kenneth Baillie von der University of Edinburgh näher untersucht. „Es gibt starke Belege dafür, dass sich der schwere Verlauf von Covid-19 qualitativ von milden Erkrankungsformen unterscheidet, selbst bei Patienten im Krankenhaus“, erklären die Forscher. Das betreffe sowohl die Schwere der Lungenschäden wie auch das Risiko für einen Cytokinsturm – eine potenziell tödliche Überreaktion des Immunsystems.
Für ihre Studie durchmusterten die Forscher das Erbgut von 2.244 schwerkranken Covid-19-Patienten aus 208 britischen Intensivstationen und verglichen die DNA-Sequenzen mit dem in einer Datenbank gespeicherten Genom von tausenden Kontrollpersonen aus der breiten Bevölkerung. Sie wollten wissen, ob es Genvarianten gibt, die bei den schwerkranken Patienten überproportional häufig vorkommen.