Unerkannte Gefahr: Das Coronavirus SARS-CoV-2 könnte schon in den 1960er Jahren entstanden sein, wie nun Erbgutanalysen enthüllen. Demnach spaltete sich der Pandemie-Erreger schon damals von seinem engsten Verwandten ab und kursierte dann jahrzehntelang in Fledermäusen, bevor er 2019 auf den Menschen übersprang. Wahrscheinlich gibt es noch weitere eng verwandte Fledermaus-Coronaviren mit dem Potenzial zum Artsprung, so die Forscher im Fachmagazin „Nature Microbiology“.
Wie SARS-CoV-2 entstand und woher es kommt, ist eine der großen Fragen der Corona-Pandemie. Genvergleiche legten schon früh nahe, dass sich die Vorfahren dieses Virus wahrscheinlich in Fledermäusen entwickelt haben. Als bislang ähnlichster Virenstamm gilt RaTG13, ein 2013 aus Java-Hufeisennasen in der chinesischen Provinz Yunnan isolierter Coronavirentyp. Weil diese Fledermausviren auch im Virologischen Institut in Wuhan erforscht werden, weckte dies zeitweilig den Verdacht, dass das SARS-CoV-2 in diesem Labor entstanden und von dort entwichen sein könnte.
Allerdings: Das für die Bindung an Menschenzellen wichtige Spike-Protein von SARS-CoV-2 hat eine noch größere Ähnlichkeit mit den Proteinen einiger bei Pangolinen vorkommenden Coronaviren. Einige Forscher vermuten deshalb, dass das Virus erst von Fledermäusen auf diese Schuppentiere übersprang und dann von dort aus den Artsprung zum Menschen machte.
Reger Genaustausch
Ob das stimmt und wer die nächsten Verwandten von SARS-CoV-2 sind, haben nun Maciej Boni von der Pennsylvania State University und seine Kollegen näher untersucht. Dafür verglichen sie die RNA-Sequenzen von SARS-CoV-2, RaTG13 und weiterer Fledermaus-Coronaviren aus der Untergruppe der Sarbeco-Coronaviren. Die Forscher analysierten den Grad der Rekombination im Genom dieser Viren – Veränderungen, die auf einen gegenseitigen Austausch von Erbgut hindeuten.