Krebsfördernde Keime? Bei der Entstehung von Darmkrebs mischen möglicherweise auch unsere bakteriellen Mitbewohner mit. Eine Studie zeigt, dass Patienten aus unterschiedlichen Ländern charakteristische Auffälligkeiten in Bezug auf die Zusammensetzung ihrer Darmflora aufweisen. Dies könnte für einen schädlichen Einfluss bestimmter Bakterienspezies sprechen – und in Zukunft neue Diagnosemöglichkeiten eröffnen, wie Forscher im Fachmagazin „Nature Medicine“ berichten.
Unser Verdauungstrakt ist von Billionen winziger Organismen besiedelt: den Bakterien der Darmflora. Diese Mikroben haben entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit – auch auf die Gesundheit des Darms selbst, wie sich zunehmend zeigt. Doch welche Rolle spielen unsere mikrobiellen Mitbewohner für Krebserkrankungen des Verdauungsorgans?
Spurensuche im Stuhl
Während von dem Magenkeim Helicobacter pylori bekannt ist, dass er Magenkarzinome begünstigen kann, ist die Frage mikrobieller Auslöser beim Darmkrebs bisher weniger klar. Um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Bakterienbesiedelung und dieser Krebsform nachzuweisen, analysieren Forscher die Zusammensetzung der Darmflora von gesunden und erkrankten Menschen. Sie suchen nach Merkmalen des Mikrobioms, die für Patienten charakteristisch sind.
Jakob Wirbel vom European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg und seine Kollegen haben nun acht solcher Studien ausgewertet, die mithilfe der sogenannten Shotgun-Metagenomik die Mikroben-DNA in Stuhlproben von insgesamt 768 Krebspatienten aus unterschiedlichen Ländern in drei Kontinenten analysiert hatten. „Wir haben Methoden des maschinellen Lernens genutzt, um mithilfe dieser Daten für Darmkrebs typische mikrobielle Signaturen zu identifizieren“, erläutert Wirbels Kollege Georg Zeller.