Nach dem Motto „doppelt genäht hält besser“ bekämpft ein neuartiges Designer-Molekül den bösartigen schwarzen Hautkrebs. Der Wirkstoff ähnelt einerseits Bestandteilen von Viren und alarmiert so das Immunsystem – auch gegen Krebszellen. Gleichzeitig schaltet das Molekül in den entarteten Zellen ein bestimmtes Gen aus und treibt sie dadurch in den Selbstmord. Bei krebskranken Mäusen konnten die Forscher so bereits erfolgreich Metastasen in der Lunge bekämpfen, wie sie jetzt in „Nature Medicine“ berichten.
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RNA-Interferenz als Selbstmordauslöser
Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Universität Bonn griff für ihre Studie auf jüngste Erkenntnisse aus der Trickkiste der Biologie zurück. Als Medikament diente ihnen ein naher Verwandter des Erbgutmoleküls DNA, die so genannte RNA. Erst seit einigen Jahren ist bekannt, dass man kleine RNA-Moleküle gewissermaßen als Schalter nutzen kann, um gezielt bestimmte Gene auszuknipsen. Dieser Effekt nennt sich RNA-Interferenz; seine Entdeckung brachte den Amerikanern Craig Mello und Andrew Fire 2006 den Nobelpreis ein.
„Wir haben diese Methode genutzt, um die Tumorzellen in den Selbstmord zu treiben“, erklärt der Bonner Hautforscher Professor Thomas Tüting. Jede einzelne Körperzelle verfügt über ein entsprechendes Suizid-Programm. Es wird beispielsweise aktiviert, wenn die Zelle entartet: Sie stirbt, bevor sie Schlimmeres anrichten kann. „In Tumoren ist aber ein Gen aktiv, das dieses Selbstmord-Programm unterdrückt“, erläutert der Leiter des Labors für Experimentelle Dermatologie. „Dieses Gen haben wir gezielt mittels RNA-Interferenz ausgeschaltet.“