Nicht lecker: Im Mund vieler Menschen tummeln sich parasitische Amöben, wie nun eine Studie enthüllt. Diese Einzeller sind enge Verwandte des Amöbenruhr-Erregers und kommen bei rund 80 Prozent der Patienten mit Zahnfleischentzündung vor, aber auch bei manchen Gesunden. Die Parasiten dringen in die Mundschleimhaut ein und zerstören dort das Gewebe. Das könnte erklären, warum viele Zahnfleischentzündungen so hartnäckig und kaum zu beseitigen sind.
Unsere Mundhöhle ist alles andere als steril – so viel ist klar. Denn auf unserer Zunge, am Zahnfleisch, an den Schleimhäuten und im Speichel leben Unmengen verschiedenster Mikroben. Allein ein Kuss kann rund 80 Millionen Bakterien übertragen. Ein Großteil dieser Mitbewohner sind zwar völlig harmlos, es sind aber auch Krankheitserreger darunter, die unter anderem Zahnfleischentzündungen verursachen.

Parodontitis-Patienten stärker betroffen
Doch wie sich nun zeigt, gibt es noch andere, unappetitliche Mitbewohner in unserem Mund: Amöben der Spezies Entamoeba gingivalis. Diese einzelligen Parasiten sind enge Verwandte der Amöbe, die die berüchtigte Amöbenruhr auslöst – eine der weltweit häufigsten Todesursachen durch Parasiten. Bei dieser Erkrankung fressen sich die Parasiten in die Darmschleimhaut, lösen schwere Durchfälle aus und zerstören letztlich das Gewebe.
Wegen dieser wenig appetitlichen Verwandtschaft hat nun ein Forscherteam um Arne Schäfer von der Charité – Universitätsmedizin Berlin näher untersucht, wie häufig der Parasit Entamoeba gingivalis in der Mundhöhle vorkommt. Dabei zeigte sich: Vor allem im Mundraum von Menschen mit Zahnfleischentzündungen sind diese Amöben sehr häufig und in hoher Zahl vorhanden. Bei 80 Prozent der 158 untersuchten Patienten mit Parodontitis und 15 Prozent der gesunden Kontrollprobanden wiesen die Forscher Entamoeba gingivalis in den Zahnfleischtaschen nach.