Uralte Heilkraft: Bernstein galt schon vor Jahrtausenden als Heilmittel – jetzt könnte sich des bestätigen. Denn das zermahlene Baumharz einer urzeitlichen Schirmtanne hat sich nun als wirksam gegen grampositive Bakterien erwiesen. Auch den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA tötet der noch unbekannte Inhaltsstoff ab, wie Forscher berichten. Sie haben auch schon erste Hinweise auf die dafür verantwortliche Molekülklasse gefunden.
Bernstein gilt schon seit Jahrtausenden als Stoff mit besonderer Kraft: Schamanen nutzten das urzeitliche Baumharz bei Ritualen, in der traditionellen Volksmedizin wurde gemahlener Bernstein heilenden Tränken zugesetzt oder zahnenden Kinder zum Lutschen angeboten. Und auch die im Bernstein eingeschlossenen Fossilien legen eine antibakterielle und antifungale Wirkung des erstarrten Baumharzes nahe: Über Jahrmillionen bleiben in ihm selbst feinste Strukturen wie Federn, Spermien, Blutzellen und sogar DNA unzersetzt konserviert.
44 Millionen Jahre altes Baumharz
„Doch trotz seiner etablierten Verwendung in der Volksmedizin hat es bisher keine umfassende Erforschung der bioaktiven Komponenten von baltischem Bernstein und seiner therapeutischen Effekte gegeben“, erklären Elizabeth Ambrose und Connor McDermott von der University of Minnesota. „Zwar haben frühere Studien schon einige Substanzen im Bernstein gefunden, die möglicherweise zu neuen Antibiotika führen könnten, dies wurde aber nicht weiterverfolgt.“
Für ihre Studie haben die Forschenden daher gezielt die mögliche antibakterielle Wirkung von baltischem Bernstein untersucht. Dieser entstand aus Baumharz, das vor rund 44 Millionen Jahren von urzeitlichen Schirmtannen (Sciadopityaceae) heruntertropfte. Diese zu den Koniferen zählenden Bäume waren bereits zur Zeit der Dinosaurier nahezu weltweit verbreitet. Heute existiert von ihnen nur noch eine einzige Art, die ausschließlich in Japan vorkommt.